Zu Gast in der Leutzscher Hölle

Landespokale sind ja immer eine ganz nette Abwechslung zum Liga-Alltag. Spannende Duelle auf Amateurebene werden gelost, halb verweiste Stadionperlen wieder bespielt und Fanszenen aus den oberen Ligen müssen auf die Dörfer. Auch der Sachsenpokal hatte im Achtelfinale die ein oder andere nette Begegnung parat. Wir entschieden uns für die BSG Chemie Leipzig gegen den FSV Zwickau. Was anderes stand auch nicht zur Debatte. Johannes ist Chemiker und ich genieße auch gerne mal die Atmosphäre in einem der schönsten deutschen Stadien.
Erstmal kam ich also in Kontakt mit dem neuen Ticketsystem und charakterlosen Onlinetickets bei der BSG – eine Neuerung die mit dem Aufstieg in die Regionalliga wohl nicht ausbleibt. Der Alfred-Kunze-Sportpark war mit 4656 Zuschauern ausgesprochen gut besucht – der genauere Blick offenbarte aber auch viele Hopper und Fans anderer Stadtvereine. Dieses Duell wollt sich keiner entgehen lassen.
Die Gäste aus Westsachsen durften sich im kompletten Gästeblock ausbreiten und brachten 850 Fans mit – kräftig unterstützt aus Dresden. Ersteinmal sorgten allerdings die Heimfans für Aufmerksamkeit. Während der Dammsitz eine kleine Blockfahne mit Chemie-Schriftzug abgerundet von weißen Wurfrollen präsentierte, zündeten die Chemiker auf dem Norddamm hinter einem „Leutzscher Hölle“-Banner jede Menge Bengalos und Raketen. Optisch sehr gelungen! Mit dem Anpfiff gingen alle Kameras von der Heimkurve auf den Gästeblock. Auch die Zwickauer zündeten ordentlich gelben, roten und orangenen Rauch. Auch das sah sehr episch zwischen den kahlen Bäumen aus. Das Spiel war mittlerweile im vollen Gange und wir mussten uns erstmal kneifen – „der Rest von Leipzig“ spielte frei auf und konnte bereits nach wenigen Minuten in Führung gehen. Wenig später gab Schiri Herde aus Dresden Strafstoß – die BSG erhöhte auf 2-0. Noch im Torjubel wurde es vorm Gästeblock hektisch. Der Zwickauer Vorsänger war in den Innenraum gesprungen um ein Banner zu retten, welches Feuer gefangen hatte – vorm Strafstoß war ein Bengalo unter dieses geworfen worden um den Schützen zu irritieren. Hat nicht funktioniert und der Capo musste sein Vorhaben den Ordnern erklären, bevor er wieder seiner Mission nachgehen konnte. Diese gelang allerdings weniger gut. Im Gästeblock brannte und knallte es in der ersten Halbzeit noch häufiger – unter anderem auch ein chemisches Banner. Support war allerdings kaum zu vernehmen. Chemie präsentierte sich wie gewohnt souverän und mit Unterstützung aus Frankfurt. 20 sportliche Frankfurter hatten sich auch neben uns eingefunden und tauchten immer mal wieder an der Pufferzone auf. Die mutmaßliche Absicht Banner zu klauen konnte aber nicht umgesetzt werden. Auf dem Platz konnte man nun auch langsam den Klassenunterschied fest stellen und Zwickau schoss innerhalb weniger Minuten den Ausgleich. Nachdem Chemie den 3-2-Führungstreffer erzielte dümpelte die zweite Halbzeit auf dem Rasen und auch auf den Rängen vor sich hin. Erwähnenswert bleibt noch das Zwickauer Spruchband „Für welches Bundesland ihr steht, seht ihr wenn das Flutlicht an geht.“ (Bezug auf Chemie-Banner in Berlin „Leutzsch spielt nicht für Sachsen“) welches schnell mit „Unser Flutlicht war gestern an“ und 4 Bengalos gekontert wurde. War absolut nicht der Tag der Schwäne. Und es kam noch dicker. In der Nachspielzeit schoss Chemie Leipzig das 4-2. Ein absolut gebrauchter Tag der Zwickauer der mit einem brennenden Dixi gekrönt wurde. Die Heimfans feierten ihre Helden stammgemäß.
Beinahe hätte es im Viertelfinale ein Stadtderby gegen die Loksche gegeben – diese flog aber sang und klanglos gegen Bautzen raus. Damit ist das Teilnehmerfeld im Sachsenpokal nur noch recht übersichtlich. Durchs Ausscheiden von Chemnitz verbleiben neben einigen Nestern nur noch Auerbach, Bautzen, Chemie und Neugersdorf. Dürfte also spannend werden, wer dieses Jahr das Rennen um den DFB-Pokal-Startplatz macht.

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