Frühlingsbesuch an der Muldenvereinigung

Ein richtig schöner Sonntag stand an und so entschied ich mich schnell, wieder was für meinen Vorsatz fürs Jahr 2017 zu tun – das Abhaken aller 49 Grounds im ehemaligen Muldentalkreis. Die Idee kam mir, als ein Freund wiederholt Unverständnis dafür zeigte, dass ich durch die halbe Republik reise, um Stadien zu sammeln, aber noch nicht ein einziges Spiel auf dem Sportplatz im Nachbardorf gesehen habe. Recht hatte er und so geht es nun ein Jahr lang durch die Heimat um Grounds und Leute kennen zu lernen. Einige kleine Überraschungen durfte ich dabei schon entdecken.

Heute hatte ich mir das Landesklasse-Spiel zwischen Eintracht Sermuth und Elbaue Torgau heraus gesucht. Beide stehen weit unten in der Tabelle und Torgau ist eigentlich schon weg vom Fenster. Gespielt wird nur wenige Schritte neben der Muldenvereinigung. Schon auf der Hinfahrt war ich total perplex, wie man hier überhaupt ein Dorf hin bauen kann. Kein Wunder, dass hier jedes Hochwasser besonders große Schäden anrichtet.

 

Überraschenderweise war ich heute sogar mal pünktlich da – sowas kommt ja doch eher selten vor. Allerdings fiel mir schnell auf, dass in meinem Portemonnaie gähnende Leere herrschte. Kartenzahlung wird auf Landesklasse-Grounds (Gott sei Dank) noch nicht angenommen und da man sich spätestens die obligatorische Bratwurst nicht mehr erlächeln kann, ging es also nochmal zur nächst gelegenen Sparkasse. So habe ich mal wieder einen Anpfiff verpasst – man kennt das bereits.

Die Sportstätte Muldenvereinigung besteht aus einem Sportlerheim mit Umkleiden, Gaststätte und Bowlingbahn und zwei Rasenplätzen. Der hintere Platz 2 (ist hier der Hauptplatz) ist dabei mit einer kleinen Tribünen mit drei Reihen Sitzschalen versehen. Umgeben ist das ganze eigentlich nur von Feld und dem Hochwasserdeich. 60 Zuschauer wohnten dem Kick bei. Während ich das Ganze so betrachtete, hörte ich dass es nach 10 Minuten bereits 1-1 stand. . Ich gönnte mir erstmal eine Bratwurst, nahm meinen Platz auf der Haupttribüne ein und blätterte etwas im Programm herum. Auf dem Spielfeld war der Kampf um die Punkte währenddessen im vollen Gange. Das harte Spiel, erforderte viele Spielunterbrechungen – ein ordentlicher Spielfluss kam eigentlich kaum zu Stande. Schnell fiel mir der aktivste Gast auf – der Gäste-Coach. Ich bin ja auch ein Befürworter von emotionalen, lauten und mitgehenden Trainern. Aber dieser Mann? Eine unerträgliche Stimme und scheinbar gar kein Fußballsachverstand, den man hätte einbringen können. Seine Rufe im 30-Sekunden-Takt von außen bezogen sich das komplette Spiel (!) ausschließlich darauf, dass man sich in jedem Zweikampf doch einfach wie der Gegner fallen lassen und dazu laut herum schreien müsse. Dies war nicht nur nervig für Sermuther Zuschauer, Schiri und wohl auch seine eigene Mannschaft, sondern auch den ganz neutralen Beobachter und so war auch ich kurz davor, ihn darauf hinzuweisen, dass er mal eine neue Platte einlegen soll – eigentlich ein Novum bei mir. In der 50.Minute gingen dann die Gäste in Führung und so war mal Ruhe auf der Gästebank. Meine Freude währte allerdings nicht lange, denn schon eine Minute schallte die Melodie der Olsenbande über die Muldenwiesen und es stand 2-2. Ab der 75.Minute war dann die Erschöpfung bei den Elbestädtern spürbar und so produzierte Sermuth Chancen am Fließband. Mal war es das Aluminium, dann stand wer frei vorm Tor und verzog – es war völlig zwecklos. Torgau konnte die Heimelf nur noch mit Fouls und Tätlichkeiten stoppen und so gab es noch einige unschöne Szenen zu bestaunen, ehe in der 92. Sermuth ein unstrittiger Elfmeter zugesprochen wurde. Passend zum Spiel wurde dieser natürlich noch gehalten und so blieb es bei einer Punkteteilung. Wenn du so weit unten in der Tabelle stehst, darfst du diese Punkte nicht einfach so fahrlässig verschenken. Dies war auch der O-Ton der Heimfans und so ging es nach einigen kurzen Gesprächen wieder Richtung Heimat. Gelohnt hat es sich allemal, auch wenn ich mit der Stimme des Gäste-Coaches im Kopf am Abend ins Bett gehe.

Nie wieder Elbaue Torgau! 😉

 

 

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