Hannes kennt das ja bereits. Ich habe mal wieder den absoluten Kracher auf Amateur-Ebene ausgegraben. Das Spiel, die Zuschauer, der Sportplatz wären ja total attraktiv – das könne man sich doch nicht entgehen lassen. Meistens sagt er dann Kopf schüttelnd ja, meistens ist es auch ganz nett und meistens sieht uns dann der Ground auch nie wieder. Ja manchmal grabe ich dann aber doch mal ein Highlight raus und ganz selten ist es sogar der Fall, dass auch mein Begleiter auf dieses Spiel hin fiebert. Als wir uns Sonntag früh um 9 im Heimatnest trafen, war genau dies der Fall. Jöhstadt trifft im Kreisliga-Duell auf den Lokalrivalen Preßnitztal. Uns war klar, dass es neben einem Fanmarsch, ein stimmungsvolles Spiel im Abstiegskampf unter widrigsten Bedingungen geben würde – mitten im tiefsten Erzgebirge, nur wenige 100 Meter vor der tschechischen Grenze.
Zuvor ging es erstmal nach Lößnitz. Die hießigen A-Junioren empfingen den VfL Chemnitz im idyllisch gelegenen Stadion an der Talstraße. Die Anlage umfasst einen Rasenplatz mit Ausbau und einen Kunstrasenplatz und wird durch die bewaldeten Hänge des Lößnitz-Tals begrenzt. Bei Heimspielen von Wismut Aue kann man hier sogar die Fangesänge hören, die durchs Tal schallen. Wenn es den Fußballgott gibt, dann hält er sich an einem Samstagnachmittag bei wolkenfreien Himmel hier sicher am Liebsten auf. Allerdings waren wir eben Sonntag 10:30 Uhr hier, der Himmel grau, es nieselte und von Aue nur in Gesprächen was zu hören. Zeit für uns, unsere letzten Reisen nach Krakau und Wien auszuwerten. Ganz nebenbei gewannen die Gäste auf dem Rasen ungefährdet mit 4-1.
Weiter ging es ins tiefste Erzgebirge. Und so fanden wir uns pünktlich 13 Uhr ausgestattet mit Bier und Kamera am Markt ein und begleiteten die Ultras der Jöhstädter auf ihrem Fanmarsch zum Sportplatz. Trotz Pyro und Böller tat sich im beschaulichen 2700-Einwohner-Nest erst einmal nicht viel. Eine Frau fotografierte, irritierte Autofahrer umfuhren den Mob und ein Hund kontrollierte vom Fenster aus argwöhnisch das bunte Treiben. Der guten Laune bei den 25 Aktiven tat das kein Abbruch und so erreichte man lautstark den malerischen Sportplatz. An sich ist der Sportplatz am Grußgässchen nichts Besonderes. Rasenplatz, einige Bänke, Vereinsheim und Hanglage. Allerdings gibt die Hanglage hier eine wunderschöne Aussicht ins Preßnitztal, die Kühe auf der Nachbarweide runden das Bild ab.
Sollten wir noch ein paar Hintergründe zu den Ultras der Heimelf verlieren. Mitten im sehr konservativ geprägten Erzgebirge hat sich rund um den Verein eine antifaschistische Ultraszene gegründet. Nicht nur das ist besonders: die rund 20 aktiven Fans unterstützen ihren 10.Liga-Verein bei jedem Spiel in der sächsischen Provinz optisch und akustisch. Zuletzt gab es einen Stimmungsboykott. Mit dem heutigen Spiel hat man den Support wieder aufgenommen.
Jöhstadt befindet sich ganz unten in der Tabelle der 1.Kreisklasse Ost und ist zum Punkte holen verdammt. Motivation gibt’s noch in Form einer Choreo der Jöhstadt-Ultras und einem recht ordentlichen Support. Auf ins Spiel: Bereits früh kann Jöhstadt in Führung gehen. In der 34.Minute können die Gäste zwar ausgleichen, kassieren aber kurz vor der Halbzeit wieder den 2-1 Rückstand. Ebenso zu erwähnen ist der von Jöhstadt gehaltene Elfer. Auch in Halbzeit 2 wurde es bei mittlerweile miserabelsten Platzbedingungen nicht langweilig. Das Spiel wurde zunehmend ruppiger und erlebte einige spannende Schiedsrichterentscheidungen zugunsten der Gäste. Diese konnten das Spiel sogar auf 2-3 drehen, kassierten kurz vor Schluss aber wieder den Ausgleich. Ein Ergebnis, mit dem man auf dem Erzgebirgskamm sicherlich nicht unzufrieden ist. Auch wir waren zufrieden – nicht nur mit den gesehenen 6 Toren vor 130 Zuschauern, sondern auch mit dem überzeugenden Auftritt der Aktiven Fans auf der Heimseite. Allein dafür hat sich der Weg schon gelohnt. Wir waren gerne da oben zu Gast und kommen gerne bei besserem Wetter wieder. Bis dahin wünschen wir Jöhstadt viel Erfolg!
