Weniger attraktive Sportplätze, in halbweiter Entfernung vom Wohnort, welche durch sportlich mittelerfolgreiche Vereine bespielt werden, sind des Hopper’s Grauen. Solche Grounds mache ich mittlerweile fast traditionell an einem Freitagabend mit irgendwelchen Bums-Kicks. Nach Bautzen, Nordhausen und Sandersdorf rief am heutigen Abend Luckenwalde. Nachdem ich mir beim Waldhüttenbau mit den Jugendlichen meiner Wohngruppe noch erfolgreich auf den Finger gehämmert hatte, ging es dann – den Zeigerfinger nuckelnd – entspannt mit dem Auto Richtung Berlin. Nach 2 Stunden Fahrt erreichte ich die Kleinstadt und wollte mich schon für die Überpünktlichkeit (55 Minuten vorm Anpfiff) feiern, als ich an einem hell erleuchteten Sportplatz vorbei fuhr.

Ich kehrte natürlich sofort um & fand schnell heraus, dass sich hier auf dem Nebenplatz des Hans-Kloß-Stadion’s die beiden Altherrenmannschaften vom PSV Luckenwalde und TSV Empor Dahme gegenüber standen. Beide Teams sind außerhalb des Punktspielbetriebs unterwegs. Nichtsdestotrotz durfte ich drei wunderschöne Tore bei einem extrem fairen Spiel sehen. Dazu gabs 10 gut gelaunte Zuschauer. Warum ist Fußball nicht immer so schön? Mit einem älteren Rentner wurde die Zeit gut verquatscht, eh es dann ins „Seele“ zum FSV Luckenwalde ging.
Der Spitzenreiter der Oberliga Süd empfing heute den Überraschungsaufsteiger auf Platz 4 – den neugegründeten 1.FC Merseburg. Diese liefen heute im Trauerflor auf und gedachten auch in einer Schweigeminute vor dem Spiel der Opfer vom rechtsextremen Terroranschlag in Halle. Die erste Halbzeit lief recht ausgeglichen auf einem ordentlichen Oberliga-Niveau. Nach dem Pausentee drehte Luckenwalde dann richtig auf und den Gästen flogen nur so die Bälle um die Ohren. Am Ende gewann der Hausherr überragend mit 8-1.
Bei der anschließenden Pressekonferenz schilderte der Merseburger Coach, dass er „nach den ganzen Gurkentruppen in der Liga nun mal auf eine richtige Mannschaft getroffen sei“ und man eine Lehrstunde erteilt bekommen habe. Eine merkwürdige Aussage, die ich persönlich so auch nicht teilen kann. Abgerundet wurde die PK durch einen Zwischenruf von einem Sitznachbarn von mir an den Gästecoach: „Nehmt viel Bier zur Rückfahrt mit – dass hilft!“. Ob man nach so einem Spiel noch so respektlos dem Gast eins reindrücken muss… ich weiß ja nicht. Vom Rechtsanwalt, der mir danach auch noch seine Visitenkarte gab, da er vom Groundhopping sehr begeistert war, kann man trotz beeindruckenden Alkoholpegel mehr erwarten.
All in all ein netter Ausflug mit ganz viel Flutlicht und tollem Fußball. So einen schönen Abend hätte ich in der Brandenburgischen Provinz in Luckenwalde nicht erwartet.
#Flo
