Vorweihnachtlicher Trip zum Rhein-Derby

Bei der vorweihnachtlichen Touren-Planung sprang mir sofort das Rheinderby Köln-Leverkusen ins Auge. Die Karte wurde natürlich sofort gekauft und so ging es am 21.12. mit einer Nachtfahrt im Fernbus nach Düsseldorf. Eigentlich ist Fernbus fahren eine feine Sache, aber wenn einzelne Personen mit Telefonaten nachts halb 4 den ganzen Bus nerven, kann man den Sinn der Reise schon mal hinterfragen. Schwer übernächtigt stieg ich in Düsseldorf in die Regio um und fuhr zurück nach Dortmund. Es war auf jeden Fall mal eine interessante Erfahrung die Ruhrpott’ler außerhalb des Fußballs kennen zu lernen. Die können doch ganz nette Zeitgenossen sein. Untermalt wurde das Ganze von einem Trompeter im Zug, der die Mitfahrer beglückte.


In Dortmund wurde sofort der Weg zu einem etwas futuristisch anmutenden Bauwerk eingeschlagen. Hat irgendwie was von einem windschiefen, silbernen Schuhkarton. Mein Ziel war das deutsche Fußballmuseum. Zwischen vielen Schulklassen erweiterte ich mein Wissen zu Rahn, Beckenbauer und co. Hauptaugenmerk lag natürlich auf der Nationalmannschaft. Obwohl ich für diese nur wenig übrig habe, muss ich schon sagen, dass „Die Mannschaft“ und ihre Vorgänger sehr gut in Szene gesetzt wurden. Auch der Vereinsfußball kam nicht zu kurz. All in all muss ich sagen, dass es auf jeden Fall ein empfehlenswertes Museum ist (wenn auch etwas überladen an Informationen und Exponaten), wobei die Ostdeutsche Fußballgeschichte bzw. die Wiedervereinigung aus ostdeutscher Sicht leider etwas zu kurz kam. Es werden die westwärts wechselnden „Ossis“ angepriesen, aber der Niedergang des Fußballs hier (auch dadurch) wird im Dunkeln gelassen. Man kennt’s ja nicht anders…


Nach einem kurzen Abstecher auf den Dortmunder Weihnachtsmarkt ging es mit der Region nach Köln. Hier folgte ein kleiner Rundgang und ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt am Dom. Auch dieser überzeugte mich nicht wirklich. Scheinbar haben nur wir Ossis wirklich gute Weihnachtsmärkte. Eigentlich wollte ich noch einige Fotos von der Tribüne im alten Stadion am Weidenpescher Park schießen. Leider wäre das zeitlich etwas eng geworden und noch viel ärgerlicher war die kaputte Fokussierung der eigentlich so zuverlässigen Handykamera. 2017 ist ja auch noch ein Jahr, wo man dieses Kulturerbe begutachten und festhalten kann.


So führte mein Weg ins „Rhein-Energie-Stadion“. Radio Köln verteilte Handschuhe, Sitzkissen vom RheinCenter lagen bereit und die nette Dame ließ mich ein Stück Pizza bezahlen und gab mir trotzdem zwei. Dazu noch Kölsch. Ich fühlte mich ausreichend eventisiert. Nur die Leverkusener ließen lange auf sich warten. 10 Minuten vor Spielbeginn wurde es rechts neben mir dann endlich laut. Schwarz gekleidete, zum Teil vermummte Gästefans stürmten ihren Oberrang. Dies hatte zwar zur Folge, dass im unteren Stehplatzbereich einige Ecken frei blieben, sorgte aber anderseits für richtig gute Stimmung. Ich war direkt überrascht, was Leverkusen hier ablieferte.
Das Spiel konnte beginnen und schon 5 Minuten später wurde die erste Meinungsverschiedenheit in meinem Block zwischen einem Kölner und einem Leverkusener ausgetragen. Der Gästeblock stieg sofort ein, die Heimfans gaben ihren Senf dazu und schon war hier richtig Stimmung in der Bude. Die Leverkusener waren in der Anfangsphase akkustisch klar besser, wobei dies von meinem Platz auch so zu erwarten war. Köln war erst ab dem 1-0 wirklich ordentlich zu hören.
Das bereits erwähnte 1-0 war so eigentlich nicht zu erwarten. Leverkusen machte das Spiel, Köln kontert und schon führt der Favorit. So ist das Leben. Kurz vor der Pause folgte der verdiente Ausgleich der Gäste. Ein gutes Fußballspiel, was die 50.000 Zuschauer hier zu sehen bekamen. Die Halbzeit erlebte ich einen noch nie erlebten Run auf die Herrentoilette. Gedrücke, gequetsche und eine riesen Traube vor der Tür. Nach 15 Minuten durfte ich dann endlich meinem Bedürfnis nachgehen. Da hat man wohl beim Bau einige Toiletten vergessen.
Mit dem Anpfiff war ich wieder auf meinem Platz und mein Blick ging sofort Richtung Gästeblock. Drei Bayer-Kreuze (kommerzfreier Traditionsclub Leverkusen – ja ne ist klar…) wurden hochgezogen. Hunderte Kameras wurden aus den Taschen gezogen und Sekunden später zischte es im Gästeblock. Einige Bengalos wurden gezündet und der Gästeblock erstrahlte in Rot. Wunderbar!
In Halbzeit 2 passierte auf dem Spielfeld nicht mehr viel. Spannend blieb es auf den Rängen. Der gute Auftritt der Gäste aus der Farbenstadt wurde aus meiner Sicht getrübt von einem mittlerweile traditionellem homophoben Gesang gegen die Domstädter – das so häufige verwenden des Wortes Schwul als Beschimpfung erinnert eher an stark pubertierende Teenager, als an erwachsene Fußballfans. Desweiteren gab es ein Spruchband der Kölner gegen die Gäste und die Vorfälle in deren Spiel gegen RB Leipzig: „Warum Farbe auf RB? Gabs im Glashaus keine Steine mehr?“ Darüber hinaus gab es im Oberrang zwischen Gästeblock und Heimfans immer wieder fliegende Becher, welche die Stimmung etwas anheizten. Die Farbenstädter traten gegen die Plexiglaswände, alles werfbare wurde in den anderen Block geschmissen und auch ein Böller detonierte letztendlich zwischen den Kölnern. Die Leverkusener zündeten wiederholt Bengalos und dann wars auch schon wieder vorbei. Leverkusen glich noch aus & dann war das Spektakel auch schon wieder beendet.

Alles in allem also ne nette Tour. Fotos gabs jedoch keine aufgrund des kaputten Handys. Naja, kann ja nicht alles gut laufen. Und so ging es in einer weiteren Nachtfahrt zurück in die Messestadt.

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