Honved Budapest (2-1) NK Slaven Belupo Koprivnica
09.07.2016
Bozsik-Stadion Budapest / 150 Zuschauer
Herren / Testspiel
(Bilder weiter unten)
Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr gehts mal wieder nach Budapest. Ob der Wohlstand im Azubi-Budget ausgebrochen ist? Nein. Allerdings ist Budapest echt eine schöne Stadt und Ungarn auch ein ziemlich interessantes Land, wenn man die politischen Aspekte mal außer Acht lässt. Ging es bei meiner ersten Reise noch mit dem Bus nach Ungarn, so musste sich diesesmal die Reisegruppe teilen, da das Auto zu klein war. Ich gehörte zu den glücklichen, die ab Dresden den EuroCity nutzten. Entspannte Angelegenheit – einfach durch zu fahren, sich die Beine vertreten zu können und dabei (fast) auf Grenzkontrollen (bezüglich der „Flüchtlingskrise“) verzichten zu können. Unterschlagen wir mal den Tschechisch-Deutschen Grenzübertritt auf der Rückreise, als ich fast vom Scheißhaus fiel, nachdem die Cops angeklopft hatten/ die Tür fast eintraten. Das Ganze ist natürlich auch eine nette Möglichkeit andere Reisende kennen zu lernen – so zum Beispiel einen durch Europa reisenden Amerikaner. So musste schon im Zug nicht auf Fußball verzichtet werden und es wurde neben Trump, Waffengesetze und Todesstrafe über EM, WM, das korrupte System der FIFA und die einzelnen Profiligen diskutiert.
Die Suche nach einem Spiel war schwerer als zunächst angenommen: Die Ligen begannen erst eine Woche später zu spielen – Qualifikationsspiele zu den europäischen Wettbewerben wurden für uns ungünstig terminiert oder fanden an bescheidenen Spielorten statt. Auf der Suche nach Testspielen wurde jede einzelne Internetseite der ungarischen Erstligisten abgeklappert – dank Google Übersetzer und der mangelhaften Englischkenntnisse konnte tatsächlich ein Testspiel von Honved Budapest ausfindig gemacht werden. Auf die englische Anfrage folgte sogar eine fast astreine deutsche Antwort – dass ist mal Service!
So ging es am Samstag Abend mit Metro und Straßenbahn in den Außenbezirk Kispest. Der Anpfiff des Spiels wurde verpasst, da sich der Kauf der Tageskarte arg in die Länge zog. So lang war die Schlange nicht, aber wenn jeder erst seine Personalien abgeben muss, benötigt man etwas Zeit…
Dafür wurde man mit der eigenen personalisierten Eintrittskarte „belohnt“. Der nächste Dämpfer folgte so gleich: zum Abendessen gab es Sonnenblumenkerne. Der Anti-Vegetarier zeigte sich entäuscht, dass gar nichts Fleisch-ähnliches aufgetrieben werden konnte. Dafür entschädigte das erste ungarische Bier dieses Tages (auch noch schön kühl), ein schattiger Sitzplatz in der prallen Sonne von Budapest und natürlich das Bozsik-Stadion an sich.
Das große Rund ist von einem einige Reihen hohen Erdwall mit schwarzen und roten Sitzen und einigen Stehplätzen umgeben. Die Haupttribüne schließt hinter dem Erdwall als extra Tribüne mit einem doch ganz interessanten Dach an. Spielfeld und Sitzbereiche waren statt mit Zäunen mit einfachen Hecken getrennt. Zusätzlich kommen noch die 4 alten dreibeinigen Flutlichtmasten dazu. Was für ein sehenwerter Ground! Zum Testspiel war nur die Haupttribüne geöffnet, was bei nur 150-200 Zuschauern auch völlig reichte.
Erwähnenswert die wirklich billige Eintrittskarte für 350 Forint, was ziemlich genau 1,12€ sind – für einen Vollzahler-Sitzplatz mitten auf der Haupttribüne beim finalen Testspiel – läuft! Zu Gast war der kroatische erstligist Slaven Belupo. Die Favoritenrolle lag bei der Heimmannschaft. Diese spielte auch gut auf, übte Druck aus und konnte auch nach 25 Minuten völlig verdient in Führung gehen.
Kurz vor der Halbzeit krachte es plötzlich unüberhörbar neben mir und alle Blicke waren auf mich und meine zwei Begleiter gerichtet. Schnell war der Grund gefunden – Kogen hatte sich mutmaßlich zu stark angelehnt und so brach halt die Lehne der Sitzschale. Die ganze Aktion kostete ihm ne Runde Bier und viel Hohn unserer Seits. Kaum war die Konzentrations wieder auf das Spielfeld gerichtet krachte es wieder – diesmal 4 Reihen unter uns – wieder Platz No.26! Alle guten Dinge sind bekanntlich drei: 10 Minuten später krachte es weiter links erneut – wieder eine Sitzschale im Eimer. So erklärten sich uns dann auch die ganzen Lücken zwischen den Sitzschalen neben der Haupttribüne – dass passiert hier scheinbar häufiger mal. Die kaputten Sitze werden dann einfach mit anderen Sitzschalen aus den unüberdachten Bereichen ausgetauscht.
Honved entschied das Spiel übrigens 2-1 für sich. Bei den ganzen Vorfällen auf der Hauptribüne und dieser entspannten Atmosphäre rückte das Spielergebnis dann allerdings auch in den Hintergrund. Mit einigen Bieren und genug Hitze intus ging es dann zurück ins Quartier. Was für ein gelungener Abend, bei einem schönen Spiel in einem noch schöneren Stadion!
Als einige Jahre später dann die Nachricht die Runde machte, dass das Boszik-Stadion abgerissen wird, entstand bei einem dieser abgefuckten Kneipen-Abende die Idee, dass Kogen doch mal anklopfen könnte & sich eine Sitzschale organisieren könnte. Der Gute setzte alle Hebel in Bewegung – wäre wahrscheinlich sogar bis nach Budapest gelaufen, um so ein Ding zu bekommen – aber es tat sich nichts. Der oben noch gelobte Service, beantwortete keine der Anfragen. Kogen’s Freundin wirds danken – hätte die rote Sitzschale doch überhaupt nicht ins Wohnzimmer-Layout gepasst 😉











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