Sonnige Tage in Ostdeutschland – von einer Tour quer durch Berlin

  1. BFC Dynamo – Energie Cottbus (Freitag, 26.08.2016)
  2. TSV Rudow U17 – Stern Marienfelde U17 (Samstag 27.08.2016)
  3. SV Babelsberg – Lok Leipzig (Samstag 27.08.2016)
  4. FC Brandenburg Ü32 – Stern Britz Ü32 (Samstag 27.08.2016)

BFC Dynamo (1-2) FC Energie Cottbus
26.08.2016 / 19:00 Uhr
Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark Berlin
 / 3307 Zuschauer (davon ca. 1000 Gäste)
Herren / Regionalliga Nordost

Selten passen Spielplan und Wettervorhersage so traumhaft zusammen wie dieses Wochenende. Freitag und Samstag sind mit den zwei Ostderbys BFC Dynamo gg Cottbus und Babelsberg gg Lok Leipzig zwei echte Kracher im Großraum Berlin angesetzt. Schnell noch ein Zimmer in einer Jugendherberge in Berlin gebucht und schon gings ab nach Berlin. Bereits die Anfahrt per Zug war eine Odyssee. Funktionierende Klimaanlagen werden bei der Bahn ja bekanntlich überbewertet und so wurde unser IC-Wagen schon bald evakuiert. Die Zeit vorm ersten Spiel im Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark zwischen dem BFC Dynamo und Energie Cottbus war sowieso schon knapp bemessen und so fiel dann die Verspätung des IC’s, dass ewige warten auf die Tram und das Warten an der Tageskasse bei meiner Pünktlichkeit arg ins Gewicht und ich verpasste die Auswärtschoreo von Cottbus (Gründungsjahr mit weißen Folien auf roten Folien als Untergrund). Die gut 1.000 Gästefans machten zum Teil ordentlich Alarm und gaben ein gutes Gesamtbild ab. Nach 22 Minuten wurde der Support für eine Minute eingestellt und ein Spruchband „Ein Kämpfer der Stadt geht leider viel zu früh. Mach’s gut Theo!“ hochgehalten.
Von den Heimfans wurde ich dieses mal eher enttäuscht. Im Vergleich zu meinem letzten Spiel im Jahnsportpark (gg Babelsberg), waren diese eher kaum zu hören. Die insgesamt 3307 Zuschauer sahen am Anfang starke Cottbuser, die auf den Führungstreffer drängten. Eher etwas überraschend erzielt Dynamo in der 24. das 1-0. Cottbus reagierte geschockt und so ging in HZ 1 nicht mehr viel. Die tiefstehende Sonne ergab mittlerweile ein absolut idyllisches Gesamtbild, welches erst kurz vor der Halbzeit durch ein heftiges Foul gestört wurde. Ein BFC’ler grätschte mit vollem Tempo unabsichtlich den Fotografen vom BFC um. Sah nicht gut aus und endete auch im Krankenwagen.

Im zweiten Durchgang spielt hauptsächlich Cottbus. Die Gäste aus der Lausitz können sich dann auch belohnen und drehten das Spiel. Nach einer Rudelbildung ist dann auch Schluss. Die Berliner können auch im siebten Aufeinandertreffen beider Teams keinen Sieg einfahren. Die Energie-Fans feierten noch gebürtig den Auswärtssieg, während einige BFC’ler auf dem Heimweg noch mit „Die Merkel muss weg“ ihre politische Meinung kund taten. Was „die Merkel“ nun an der Niederlage für eine Schuld hat, bleibt wohl eher das Geheimnis der weinroten Anhänger.

Zum Ausklingen des Tages wollte ich mir eigentlich noch die Pokalauslosung anschauen. Dank einem absolut langweiligen Bayern-Spiel gg Bremen und dem zu erwartenden langen herummoderiere, bis endlich mal gezogen wird, kapitulierte ich und schmiss mich ins Bett. Es sollte eine kurze Nacht werden – irgendwelche Spanier im Zimmer flirteten die halbe Nacht. Nie wieder Massenunterkunft!


TSV Rudow U17 (2-5) FC Stern Marienfelde U17
27.08.2016 / 11:00 Uhr
SpA Stubenrauchstraße Berlin
 / 15 Zuschauer
B-Junioren / Testspiel

Die Nacht überstand ich eher schlecht als recht, das Frühstück hatte jetzt auch kein 5 Sterne, aber die hatte ich ja auch nicht bezahlt. 11 Uhr wurde das erste B-Junioren Spiel auf dem Sportplatz Stubenrauchstraße angepfiffen. Dazu ging es einmal mit der U-Bahn bis in den Südosten der Stadt nach Rudow. Dort befindet sich im Übergang zwischen renovierten Plattenbauten und kleineren Mehrfamilienhäusern ein von einigen Bäumen umgebener Kunstrasenplatz. Die Haupttribüne besteht aus zwei Reihen mit roten Sitzschalen und dem etwas utopisch wirkenden Vereinsheim. Sehenswert die Sprecherkabine auf der Gegengrade. Das Spiel ging 40 Minuten nur in ein Richtung – die Gäste vom FC Stern Marienfelde ließen gegen den TSV Rudow nur kaum Chancen zu und so stand zur Halbzeit eine 0-2 Gästeführung auf der Anzeigetafel. Das Spiel begann in Halbzeit zwei ähnlich, wie es in Halbzeit eins geendet hatte und so gewannen die Gäste vor 15 Zuschauer letztendlich mit 2-5. Davon bekam ich schon nichts mehr mit, weil ich mitten in der zweiten Hälfte zum nächsten Spiel aufbrechen musste. Auf dem Weg gabs noch in der Curry-Hütte-Rudow (Neuköllner Str.278) einen Döner to go – an dieser Stelle kann man diesen ruhig mal weiterempfehlen. Danach geht’s mit der U-Bahn wieder einmal quer durch die Stadt – nach Potsdam-Babelsberg (Südwesten).


SV Babelsberg 03 (2-0) 1.FC Lok Leipzig
27.08.2016 / 13:00 Uhr
Karl-Liebknecht-Stadion Potsdam
 / 1985 Zuschauer (davon ca. 100 Gäste)
Herren / Regionalliga Nordost

Das heutige Hauptspiel steht auf dem Plan – SV Babelsberg gegen Lok Leipzig. Die Fanszene Lokomotive hatte vor dem Spiel zum Boykott aufgerufen. Grund ist die unfaire Kartenvergabe vom eigenen Verein – nach den Ausschreitungen beim letzten Aufeinandertreffen vor über 2 Jahren gab es im VVK für die Gäste nur Karten für Lok-Mitglieder oder Dauerkarteninhaber. Dazu gibt es ein interessantes Statement: https://www.facebook.com/FanszeneLok/posts/596254587245647
Interessant vor allem deshalb, weil man dem eigenem Stadtrivalen ja gerne vorhält, wie wichtig die Mitgliedschaft im Verein ist, während man die eigene selbst eher als sinnlos bezeichnet. Außerdem wird hier auch angekündigt, dass man eine Alternativveranstaltung verkünden wird. Dies geschieht nicht, jedoch ist klar wo sich viele Leipziger heute aufhalten werden: bei der Imperium Fighting Championsship – einer von Rechtsextremen organisierten Kampfsportveranstaltung, aber das ist ein anderes Thema.
Zurück zum Wesentlichen! Trotz des eigentlich angekündigten Boykotts, konnte man zwischen dem S-Bahnhof Babelsberg und dem Karli ein durchaus beachtliches Polizeiaufgebot beobachten. Die Problematik Links-Rechts und die Vorfälle aus dem letzten Spiel nahm hier niemand auf die leichte Schulter. Am Stadion angekommen wurde mir direkt eine Freikarte zugesteckt. Hmm – halt ich ja eigentlich nicht viel von, aber warum nicht. Der Geldbeutel gab sowieso nicht mehr viel Geld her. Obwohl die Sonne extremst runterbrasselte, gönnte ich mir erstmal ein kühles Astra und organisierte mir ein Stadionheft. Sehr detailliertes, schönes und kritisches Heft. Da können sich ganz andere Vereine ein Beispiel dran nehmen! Ich platzierte mich also recht schnell auf einer Hollywood-Schaukel, blätterte zu Reggae-Musik im Stadionheft und genoss das Wetter, die entspannte Stimmung und das gute Bier. Kurz vor Anpfiff nahm ich dann meinen Platz auf der Hintertortribüne ein. Schnell bemerkte ich die gut 100 mitgereisten Lok-Fans im Gästeblock, die immer wieder mit Schlachtrufen auf sich Aufmerksam machten – sie versuchten es zumindest. Gegen den gut gefüllten benachbarten Fanblock der Babelsberger war dies allerdings ein aussichtsloses Unterfangen.
Das Karli zeichnet sich vor allem durch seine Nähe zum Spielfeld aus und besteht aus der überdachten Haupttribüne mit 10 Reihen Sitzschalen. Der Rest des Stadions besteht aus Stehern, wobei die Hintertortribüne überdacht ist und die Babelsberger Ultras sich auf der Gegengrade in der prallen Sonne platzieren. Sehenswert sind auch die Flutlichtmasten, die „du knicken kannst“. Aus Gründen des Weltkulturerbe werden sie immer dann, wenn sie nicht benötigt werden, eingeklappt.
Zum Spiel: Die Gastgeber spielten stark auf und konnten mit 2-0 in Führung gehen. Danach sahen die 1.924 Fans ein vor sich hinplätscherndes Spiel und viele Zuschauer widmeten sich zunehmends anderen Dingen. Kurz vorm Abpfiff wurde es nochmal spannend, als Lok auf den Anschlusstreffer pochte. Allerdings fehlte dann hier und da auch etwas Glück und so kassiert Lok ausgerechnet in Babelsberg die erste Niederlage seit 2 Jahren. Respekt für diese Serie! Gern wäre ich länger hier geblieben, aber das letzte Spiel für heute ruft – es geht wieder zurück nach Berlin-Charlottenburg (West).


FC Brandenburg Ü32 03 (5-1) SV Stern Britz Ü32
27.08.2016 / 16:00 Uhr
Sportplatz Sömmeringstraße Berlin
 / 35 Zuschauer
Alte Herren / Verbandsliga Berlin Staffel 1

Hitze und Bier machten mir echt zu schaffen und so hatte ich einige Probleme erst den Sportplatz Sömmeringstraße zu finden und dann an diesem den Eingang zu finden. Glücklicherweise stand ich dann mit dem Anpfiff im Eingang. Dieser Ground ist kein sonderlich spektakulärer, aber weiß doch zu überzeugen. In einer Parkanlage gelegen besteht der einzige Ausbau aus schiefen drei Stufen auf beiden Graden, die ihre besten Jahre auch schon hinter sich gebracht haben. Interessant ist noch die Telefonzelle, die als Sprecherhäuschen dient. Weder die, noch die Holzhütte als Einlass wird heute benötigt. Es treffen „nur“ zwei Mannschaften aus der Ü32-Stadtliga aufeinander. FC Brandenburg gegen Stern Britz. Ein Spiel, was laut verschiedener Gespräche wohl doch etwas Brisanz hat. Man kennt sich aus vergangenen Spielzeiten und spielt weiter oben mit. Die Gäste aus Britz legten vor 30 nichtzahlenden Zuschauern direkt los. Nach 10 Minuten stand es schon 0-1 für die Gäste, was der recht impulsive Heimtrainer stark „kritisierte“. Es folgte ein spannendes Spiel, was aber von den Gästen dominiert wurde. Der Halbzeitpfiff kam in der Sonne aber vor allem den Brandenburgern ganz recht. Die legten im zweiten Durchgang nämlich richtig los. Während Hertha-Fans neben mir über große Europapokalträume philosophierten, drehten die Gastgeber einfach mal das Spiel und plötzlich stand es 3-1. Die Gäste waren erledigt und konditionell nicht mehr in der Lage nochmal eine Schippe drauf zulegen. Bei 37°C verständlich – mir war es selbst im Schatten zu heiß. Das 4-1 war nur die logische Konsequenz und so gab Stern Britz die eigentlich söuveräne 0-1 Führung letztlich her. Leider Gottes musste ich dann auch dieses schöne Stückchen Erde wieder verlassen, um meinen Zug zurück in die Heimat zu bekommen. Während ich auf dem Weg zur U-Bahn den Tag Revue passieren ließ, durfte ich nochmal schmunzeln. Ein Radfahrer fuhr seine Katze auf der Schulter spazieren. Sind schon schräg, die Wessis…. Die Rückfahrt verlief bis in mein Heimatdorf reibungslos.
Erst dort durfte ich feststellen, dass mein Rad geklaut wurde. Sinnloser scheiß.

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