Träume nach dem runden Leder werden wahr…

Nach dem 1. Lockdown beginnt der Spielbetrieb langsam wieder Fahrt aufzunehmen. Die feuchten Träume während der 100tägigen Abstinenz nach Amateurfußball werden Anfang Juni wieder wahr. Zwar finden viele Kicks noch offiziell ohne Zuschauer statt – jedoch findet man inoffiziell immer einen Weg zum Ground 😉

Nachdem einige Tage zuvor der Auftakt in Lommatzsch getan war, hatte mich die Sucht gepackt und zusammen mit Fabian wurde der nächste Trip geplant. Ich kassierte ihn dann früh am Bahnhof in Böhlen ein bevor wir zum ersten Kick nach Neukieritzsch fuhren. Nach so langer Zeit gab’s viel zu erzählen und so bekam man vom Juniorenpokalspiel gar nicht allzu viel mit. Vorm nächsten Spiel in Frankenberg fand sich noch etwas die Zeit & so machten wir nochmal einen kleinen Abstecher ins Otto-Heinig-Stadion in Espenhain. Aufmerksame Zeitgenosse dürften den Ground im Vorbeifahren auf der B95 von Leipzig nach Chemnitz am Rastplatz Espenhain auch schon entdeckt haben.

Als Aktivist Espenhain zu DDR-Zeiten ein geläufiger Name im Bezirk Leipzig war rollte hier noch regelmäßig der Ball und auch die republikweit erfolgreichen Leichtatletiker trainierten hier. Erst mit dem sportlichen Erfolg zog man dann ins benachbarte Kitzscher (Parkstadion) um, wo sich die Fußballer vom FSV Kitzscher bis heute in der Tradition von Aktivist Espenhain sehen. So wie hier in Espenhain nach der Wende die Industrie mit dem Kraftwerk Thierbach, der Braunkohleveredelungsanlage & dem Tagebau Störmthal den Bach hinunter ging, ist auch sportlich wenig übrig geblieben vom einstigen SV Espenhain 91 (ehemals BSG Aktivist Espenhain). Die Anlage mit herzerwärmendem Sprecherturm, Aschelaufbahn & Erdhügeln als Stehtraversen ist längst zugewuchert. Und ihr dürftet Espenhain auch nur noch vom B95-Blitzer kennen (welcher doch schon von jedem mal ein schickes Foto geschossen hat, oder? ODER?!). Selbst das Kapitel ist nun Geschichte, längst führt die neue A72 bis Rötha an der Ortschaft vorbei. Es ist still geworden in Espenhain & auch der Blitzer verrichtet seinen Dienst nun in meiner alten Heimat in Naunhof.

Genug Nostalgie. Weiter ging’s nach Frankenberg, wo wir den Platz in gekennzeichneten Bereichen betreten durften. In Idyllischer Lage zwischen Hang & Wald wünschten wir uns, die alten Hang-Traversen im Sportplatz Hammertal betreten zu können & ausgestattet mit Hopfenblütentee den Hafer auf Kunstrasen folgen zu können. Nichts da – es gibt schließlich Regeln. Wieso sollten sich auch alle im Stadion verteilen können, wenn man im gekennzeichneten kleineren Bereich doch viel besser Viren austauschen könnte. Die U17 von Frankenberg gewinnt hier souverän 1-0 gegen die U17 von Rabenstein. Wieso hatten wir diese Graupelkicks eigentlich so vermisst?

Auf zum letzten Spiel für heute – Chemnitz-Pokal-Halbfinale bei Eiche Reichenbrand. Beim Vorbeifahren signalisierten uns Ordner, dass der Gastronomie-Bereich bereits voll ist. Eilig wurde also Google Maps geöffnet & ein Feld erspäht, welches uns gute Aussicht bieten könnte. Also zogen wir einige Bahnen durchs Viertel, suchten einen Zugang zum Feld & spazierten dann mit Flaschenbier & Zigarre übers Feld zum Ground. Ausgerechnet heute die Campingstühle vergessen… So ne scheiße! So standen wir also nun im Feld & hatten beste Sicht. Die neidischen Blicke aus dem überfüllten Biergarten waren köstlich & selbst der Platzwart staunte nicht schlecht. Wittgensdorf bekam in dieser aggressiv geführten Pokalrunde ordentlich die Hütte voll – 6-0 stand es am Ende für Reichenbrand. Die Trainingsunterschiede sind so kurz nach dem Lockdown doch gewaltig. Aber hauptsache es wird überhaupt wieder gekraupelt!

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