Die neue Kathegorie 9-Euro-Hopping erzählt euch von absolutem Hafer, nach abenteuerlichen Zugfahrten mit überraschenden Begegnungen und viel zu wenig Schlaf.
Die folgenden Zeilen berichten von einer Tour am ersten Juni-Wochenende, die außer dem Hauptspiel Oldenburg – BFC (Bericht nächste Woche) wirklich nur wenig konnte.
Ratingen 04/19 (3-3) Sportfreunde Baumberg
03.06.2022 / 19:45 Uhr
KERAMAG-Sportpark (KR), Ratingen / 109 Zuschauer
Herren / Oberliga Niederrhein Meisterrunde
Irgendwas musste Freitag noch gehen, bevor man über Nacht dann nach Oldenburg übersetzte und so bot sich der Pott eigentlich an, da hier mit der Oberliga Niederrhein noch einige anständige Stadien bespielt wurden. Die Wahl fiel letztlich auf Ratingen, was sich später als Fehler herausstellte. So wurde das Spiel in den KERAMAG-Sportpark verlegt. Die Anlage ist genau dass, wonach es klingt und der bespielte Platz einer, der verdächtig an den Ausbau in der heimatlichen Clade in Naunhof (Kreisoberliga) vorfindet. Fairerweise muss man dann auch sagen, dass für 100 Zuschauer dies auch völlig ausreichte. Ein kurzfristiger Wechsel nach Kleve scheiterte an einer „Reparatur am Zug“. Konkret schaffte es der Lokführer beim Richtungswechsel in Hagen nicht, sein Vorder- & Rücklicht zu tauschen. Die 30 Minuten Verspätung waren also eingetütet und als dann noch am Essener Hbf der obligatorische Dönerteller nicht auffindbar war und es stattdessen Currywurst mit Pommes gab, war die Stimmung endgültig am Boden. Immerhin waren die Züge angenehm leer. Und dem Himmel sei Dank, dass die sehenswerte Ratinger Innenstadt zumindest gekühltes Tyskie anbot.




So richtige Pflichtspielatmosphäre sollte an diesem Ding vor dem Spiel nicht aufkommen. Als dann noch die beiden Rentner neben mir über die Identität des sehr flinken Rechtsaußen rätselten und feststellten, dass das ja nicht der Japse sein könne, da Fidschis ja immer klein seien, war dann auch dem wohl einzigen Sachsen am Platz klar, dass man sich das hier nur noch schön saufen kann. Baumberg machte das Spiel und führte zur Halbzeit verdient 2-1, was sogar noch auf 3-1 erhöht werden konnte. Apropo Baumberg. Was ist das? Wo ist das? Muss man das kennen? Kurze Antwort – nein.



Dass es auf dem Platz um nichts mehr ging und sogar ich mich dem Planespotting der im Hintergrund starteten Flieger aus Düsseldorf zuwandte, hielt das Trainerteam nicht davon ab, noch an das ganz große Ding zu glauben. Phasenweise fühlte man sich in der Netflix-Serie „Squid-Game“ – als stünde hier am vorletzten Spieltag das Spiel des Lebens an! Meine Verwunderung hielt sich in Grenzen, dass in der Trainerbank ein großes Loch klaffte. Hier – am KERAMAG-Sportpark – da sind die zügellosen Emotionen noch ungestört zuhause! Als dann der Ratinger Einwechselspieler dann noch auf die motivierende Brandrede reagierte mit „Das Ding ist doch sowieso durch“, fürchtete ich darum, hier heute noch Tote sehen zu müssen. Und tatsächlich passierte noch das Unglaubliche – Ratingen glich in den letzten Minuten aus und sackte sich nochmal einen völlig nutzlosen Punkt ein.
Was soll die ganze Dramatik? Ja, ich wüsste jetzt sonst auch nicht, was ich über diesen völlig nutzlosen Kick schreiben soll. Ich fühle mich erinnert an Kracher wie SC Polenz II gg. Frisch-Auf Wurzen III. Nur dass ich dafür nicht 100-Kilometer Deutsche Bahn hinter mich gebracht hatte.




Auf dem Rückweg sollte noch das richtige Ratinger Stadion besichtigt werden, was aufgrund von Schallschutzmauern um das komplette Stadion herum kaum möglich war. So ging es auf wilde Tour in völlig überfüllten Zügen. Drei reichlich knappe Umstiege später strandete ich dann planmäßig in Osnabrück. Meine Stimme wird wohl auch angeschlagen gewesen sein, nach den unzähligen Gesprächen in den fahrenden Sardienenbüchsen. In Sachen Völkerverständigung hat wohl bisher keiner mehr geleistet, als das 9-Euro-Ticket. Highlight bildeten zwei OId-School-Nazis mit Glatze, Springerstiefel und Bomberjacke (sowas gibt’s noch?!), die völlig Stramm an einem Dorfbahnhof den letzten Zug verlassen durften, da sie kein Ticket dabei hatten, nachdem sie verzweifelt noch mit dem Handy eines buchen wollten und an der mangelhaften Netzabdeckung scheiterten. Dinge, die man im 9-Euro-Zeitalter nicht erwartet.
Nachdem ich mich in Osnabrück über Berge von Fahrräder zum MC’s durchschlug, verbrachte man hier dann die Nacht bis zum 1. Zug. Links neben mir durchweg feixende Inder, rechts neben mir Teenie-Mädels mit Trennungsschmerzen und zwischendrin die MC’s-Verkäuferin, die mit dem Organ eines Esels „201“ „532“ etc brüllte. Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.


JSG OL-Nord U19 (8-1) JSG Wilhelmshaven II U19
04.06.2022 / 11:00 Uhr
Sportanlage Hellmskamp, Oldenburg / 20 Zuschauer
Herren / U19-Kreisliga Jade-Weser-Hunte
Nachdem sich gegen 6 in Bremen vor mir noch fast ein anderes alkoholisiertes Mädchen mit Liebeskummer vor einem ausfahrenden IC auf die Gleise schmeißen wollte, diesen zur Gefahrenbremsung zwang und einen Polizeieinsatz auslöste und ich als Zeuge dann auch noch die Staatsgewalt einweisen musste, viel ich nur noch erschöpft gegen 7 in Oldenburg aus dem Zug und musste auf dem eben geöffnetem Wochenmarkt erstmal ein Fischbrötchen in die Fressluke werfen, um überhaupt wieder klar zu kommen. Danach gab es Kaffee und den Anblick der wunderschönen Blumenverkäuferin, die ich wohl heute noch beobachten würde, wenn mein Handyakku sich nicht gemeldet hätte. Klar – alle Regio’s der Nacht hatten keine Steckdosen. Im goldenen Westen gibt es in Einkaufszentren offensichtlich einfach keine Steckdosen. Also ging es in meiner Not ab ins Reisezentrum, wo ich das Handy abgegeben konnte und laden lies.


Danach ging es raus nach Hellmskamp, wo mangels Alternativen die einzige Möglichkeit eines Dopplers sich bot. Zum Ground gibt es dementsprechend gar nichts zu sagen, außer dass der Greenkeeper auf seinem Rasentraktor wohl das einziges Highlight bot. Dieser raste mich mindestens 80 km/h über den Platz. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ob dabei Jugendspieler zu Schaden kam, ist nicht bekannt.
Große Freude kam auf, dann endlich wieder auf normale Leute zu treffen. Eine 5er Besatzung aus Westsachsen. So war das nicht geplant und doch hat man die Zeit eigentlich ganz gut miteinander verbracht. Skandalös, dass man echt ne Weile gebraucht hat, um die Jungs zuordnen zu können, obwohl man manche nicht zum ersten Mal traf. Spricht dann auch für meinen Zustand.
Unserer Meinung nach ging der Kick 9-1 aus. Fußball.de sagt 8-1. Mir auch egal. Nach einem Radsprint ging es weiter zum Highlight des Tages – Oldenburg gegen den BFC Dynamo. Aber davon lest ihr dann nächste Woche mehr.





Hinterlasse einen Kommentar