Unverhofft kommt oft – Von Liberec, Asche & weiteren Überraschungen

Es gehört zu den weniger stolzen Episoden des Autors, im vergangenen Jahr im Lipsia-Auswärts-Suff mal ein Großveranstaltungsbanner „gezogen“ zu haben und in diesem feuchtfröhlichen Moment gehofft zu haben, dass sich eben diese Veranstaltungen auflösen würde, wenn wir dieses Ding im Rückspiel präsentieren. Mehr Beweise, dass der Gruppenname „Mokra Watroba“ treffend gewählt ist, bedarf es an dieser Stelle sicher nicht. Ein Ausnüchterungsschlaf später war auch mir klar, dass diese Aktion total hohl war und wir nun ein nutzloses 1×8-Meter-Banner besaßen. Vergangene Woche begann der ehrenwerte Groeg nun damit, daraus eine Choreo für den Rückrundenauftakt gegen Torgau zu basteln. Alle Vorbereitungen für’s Spiel waren bereits getroffen, als Freitag die witterungsbedingte Spielabsage ins Haus flatterte.

Also schlug Groeg vor, kurzerhand nach Tschechien zu düsen und dabei gleich die knappen Branik-Vorräte für die nächsten Spiele aufzufüllen. Die Wahl fiel schnell auf Liberec, damit Groeg seine Auswärtsserie mit Olomouc fortführen konnte. Ich konnte davor noch einen Kick in der schnieken Eiswiese in Görlitz ausgraben und wenige Stunden später hingen wir schon auf der A14 Richtung Dresden. Hängen darf durchaus wortwörtlich genommen werden, denn so richtig voran kamen wir im Verkehr nicht Dank eines Stau’s war Görlitz nicht mehr zu schaffen und so visierten wir die SG Gittersee im Südwesten der sächsischen Landeshauptstadt an.

Besonderheiten muss man an dieser Anlage nicht lange suchen: so erblickt man nach dem schnuckeligen Eingang bereits den hiesigen Ascheplatz. Nun gibt es doch noch hier und da mal einen Ascheplatz – dass sie jedoch durch eine 1.Herrenmannschaft im regulären Spielbetrieb benutzt werden, sieht man in diesen Breitengraden gar nicht mehr so oft. Dies wird auch nicht mehr lange der Fall sein – in der Halbzeit offenbarte man uns bei äußerst humanen Bierpreisen nicht nur Tipps, woran man die Tschechische Bullerei bei Geschwindigkeitskontrollen erkennt. Wir wurden auch über den geplanten Umbau in einen Kunstrasenplatz informiert. In zwei Jahren soll das Ding fertig sein und wird durch die Stadt gebaut, die im Gegenzug eine Fläche für ein Sportareal von Gittersee bekommt. Euphorische Erklärungsversuche, dass Kunstrasenplätze im Jugendfußball mehr Anklang finden, wurden widerwillig zur Kenntnis genommen. Schade um die Anlage. Das behämmerte Helikopter-Eltern lieber die Verletzungsgefahr eines KR in Kauf nehmen, als die dreckige Kleidung ihrer verwöhnten Gören, muss man jedoch einfach auch mal so hinnehmen.

Nach einem Erinnerungsfoto mit Lipsia-Schal ging es auch schon weiter durch die Gottverdammte Oberlausitz. Für alle Nicht-Sachsen: das ist da, wo auf den Marktplätzen neben der Schlecker-Filiale noch die Quelle-Bude vor sich hingammelt. DJ Groeg wechselte unterdessen von Bosca und Malle auf die Geschichte des Drachenlordes, was sich als echte Weiterbildung für mich erwies. So wurde es mit dem Anpfiff in Liberec doch ganz schön knapp.

Die Hütte ist relativ geil am Hang gelegen. Braga lässt grüßen. Noch besser ist jedoch die Gegengrade, die die Lausitzer Neiße quasi überdacht. Stimmungs- und Auslastungstechnisch ist das ganze jedoch auch ne Vollkatastrophe gewesen und wirklich guten Fußball konnte man nicht bestaunen. Sollte hier mal wieder Europapokal gespielt werden, wird das Ding auf jeden Fall bestätigt. Mit einem Platz im Tabellenmittelfeld und dem heutigen unaufgeregtem 2:2 gegen Sigma Olomounc, sollte dies jedoch so schnell nicht der Fall sein. Deutlich schneller fand der obligatorische Honza-Fettschlauch seinen Weg ins Glück. Der Mitreisende bemühte sich dabei sehr , diesen auf Tschechisch zu bestellen, wofür er allerdings von den gar nicht mal so hübschen Damen ausgelacht wurde. Klar, dass wir uns danach gar nicht weiter länger an diesem Ort aufhalten wollten und so schnell wie möglich ins vertraute Tesco in Usti nad Labem fuhren. Da schließt sich auch der Kreis, denn eigentlich waren wir nur aufgebrochen, um die Karre mit Hopfenblütentee vollzukrachen. Die durstigen Lebern der Lipsianer zur anstehenden Sachsenpokalrunde gegen Neugersdorf müssen schließlich versorgt sein. Alles andere als ein Halbfinaleinzug ist nicht einkalkuliert.

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