Das Hinspiel hatte der Autor mal sowas von verpennt, weshalb spätestens nach den Ereignissen rund um den Kick klar war, aus Sensationsgeilheit mal wieder nach Hannoi zu fahren. Sich riechen kann man zwischen Elbe und Maschsee eher nicht, was insbesondere an den innigen Kontakten zwischen Magdeburg und Braunschweig liegt. Diese haben wiederum wenig Freude an 96, wo sich der kleine lokale Kreis schließt. Fast schlimmer als im Schacht.
Hannover ist nicht zwingend für ein ausverkauftes Niedersachsenstadion bekannt (bei 37€ am Rand der Osttribüne ja aber auch eher kein Wunder), was die Magdeburger dazu bewog, sich mit 10.000 Gästen anzukündigen. Klugerweise regelte man dies in Hannover auch ganz kooperativ und sperrte kurzerhand die komplette Hintertortribüne für die Gäste ab. Das fand insbesondere in eigenen Reihen nicht nur positiven Anklang und ist – Grüße gehen an Chemnitz, Lok & die anderen Gurkenvereine, die sowieso leere Kapazitäten nicht an Gäste geben – leider keine Selbstverständlichkeit. Bei letztlich 38.000 Zuschauern in der 49.000-Plätze-Schüssel war so jedoch auch für jeden noch ein Platz verfügbar und Magdeburg konnte mit 10.000+x (in Heimbereichen) tatsächlich einen neuen Vereinseigenen Rekord nach dem Mauerfall aufstellen. Unberührt bleibt jedoch der Rekord von 1982, als man im FDGB-Pokalfinale gegen Karl-Marx-Stadt mit 25.000 Gästen antischte.

So viel zum Vorgeplänkel. Die Karten lagen auf dem Tisch und da dank abenteuerlichster Ausreden nur Johannes, der Sachsengroundhopper und ich zusammenfanden, reisten wir eben zu dritt mit dem Teilauto nach Hannover. Diese roten Flitzer sind eigentlich ne feine Sache für weitere Strecken. Hohe Spritpreise jucken uns nicht und Johannes‘ Silberflitzer stirbt (noch nicht) den Kilometer-Tod. Ein wenig peinlich war es dann schon, dass ich wohl bei der Buchung statt 12 Stunden, 30 Minuten gebucht hatte und dies erst an der Tanke (2 Stunden nach Abgabetermin) beim Tanken merkte, als die App mir die verfluchte Tankkarten-Pin nicht rausrückte. Die Service-Hotline war schnell bemüht, während die beiden Mitreisenden Frühstück in der goldenen Möwe organisierten und nur wenige Minuten später, konnte die unterhaltsame Fahrt problemlos fortgesetzt werden. Geparkt wurde auf einem Park&Ride-Parkplatz am Stadtrand, um dann mit der Bahn rein zu fahren. Diesen Platz ausfindig zu machen, war gar nicht so leicht, denn Stadt & Verein gaben wirklich alles dafür, dass wir direkt bis zum Stadion fuhren. Bei zwei Fanmärschen & 40.000 Anreisenden, erschien mir dies jedoch als keine gute Idee. Abgesehen von den Holzsitzen in der Tram und Alkoholverbot (welches natürlich nicht beachtet wurde), kann man den Parkplatz „Paracelcusweg“ also guten Gewissens weiter empfehlen.

Also rein ins Stadion und erstmal die Plätze auskundschaften. Beide Kurven füllten sich bereits über eine Stunde vorm Spiel und auf beiden Seiten konnten direkt Elemente für Choreografien erspäht werden. Erste Gesänge hauten uns noch nicht vom Hocker – insbesondere das „Magdeburger Hurensöhne“ war dann nach dem dritten Mal eher die Kategorie „Unkreativ“.

Direkt nach diesem Foto kam es dann zur ersten brenzligen Situation, als ein Ordner unsere Karten sehen wollte und sich deutlich im Ton vergriff. Noch ehe man darauf ernsthaft reagieren konnte, folgte der Nachsatz „Eure Karten jetzt oder ihr fliegt raus“. Kenner meines Gemüts wissen, dass mir in jungen Jahren bei solchen Sachen oft die nötige Contenance fehlte. Aber man wird ja älter und verzichtet auf die Eskalation. „Heute ist alles etwas anders“, dass müssen wir ja verstehen. Er war die einzige unentspannte Fotze, die mir bei meinen Streifzügen durchs Stadion begegnet ist. Also noch ne Brezel aus der Hot-Dog-Tüte und dann ab ins Geschehen.

Hannover startete mit einer beeindruckenden Darbietung, die das Vereinslogo in den Vordergrund stellte. Das hochgezogene Wappen wurde unterlegt von vielen Schwarz, Weißen, Grünen und goldenen Fahnen, welche in der Nachmittagssonne ein edles Bild abgaben. Einziger Wehmutstropfen – durch das üppige Gold ist der lateinische Schriftzug am Oberrang leider kaum lesbar gewesen. Ich habe es zumindest in keiner Aufnahme geschafft, ihn zu entziffern. Ansonsten ein absolutes Brett!
Magdeburg präsentierte sich mit einem Tifo „Die Blau-Weißen Massen, sie schreiten voran!“ welches durch Blauen Rauch ergänzt wurde. Das war sicherlich nicht das Intro, was die meisten Groundhopper erwartet hatten – wirkte es doch sehr einfach und unkreativ. Insbesondere wäre weißer Rauch vor dem blauen Block wohl besser zur Geltung gekommen. Aber wir meckern auch alle auf einem hohen Niveau. Viel ärgerlicher war wohl eher, dass sich viele Magdeburger Fans in den Oberrang gedrängt haben und dadurch im Unterrang große Lücken entstanden.
Das Spiel startete – beflügelt von lautstarker Unterstützung in beiden Kurven – lebendig und Magdeburg signalisierte schnell, hier keine Punkte liegen zu lassen. Bis zur Halbzeit hatten die Gäste deutlich mehr Ballbesitz und auch mehr Chancen. Ein Tor vor der Halbzeitpause konnte aber auch Hannover in 1-2 Kontersituationen nicht erzielen. Auf den Rängen geht der Stimmungspunkt wenig überraschend nach Magdeburg. Da ist man gewohnt laut, brachial und massentauglich unterwegs. Optisch ist es auch immer wieder beeindruckend, wie da eine ganze Kurve die Schals hebt oder mitspringt. Da bleiben die Jungs aus der Domstadt einfach ein Brett. Wiederum wussten auch die Gesänge auf der Heimseite zu gefallen – die ganze Kurve geschweigedenn das ganze Stadion konnte man jedoch nur selten mitziehen. Der singende – fast schon wehleidige – „Ha-nover“ Wechselgesang bleibt auf jeden Fall mit einem schmunzeln hängen.
Die Halbzeit wurde dann für den Austausch einiger kleiner Meinungsverschiedenheiten auf der Gegengrade genutzt. So richtig ließ sich aus unserer Position nicht auswerten, wer eigentlich angefangen hatte. Es waren wohl jedoch einige Hannoveraner, die auf Tuchfühlung gingen, was wiederum zu einigen Szenen und Dynamiken führte, die man aus den deutschen Profiligen doch nicht mehr allzu häufig kennt. Die Situation beruhigte sich erst wieder mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit. In dieser belohnte sich Magdeburg dann und ging mit 2:0 in Führung. Dass zwischen beiden Toren ein grün-weißer noch Gelb-Rot bekam, verbesserte die Situation für Hannoi nicht deutlich. Und doch konnte man den Anschluss wieder finden, in 20 Minuten vor Schluss das 1:2 erzielen. Bis zur letzten Sekunde zitterte man noch um den Ausgleich, der jedoch nicht mehr viel und so auch nicht verdient gewesen wäre.
Die Abreise verlief dann ganz entspannt. Einige Rennereien konnten noch beobachtet werden, ohne dass jedoch noch irgendwas wirklich spannendes passierte. Und eh wir uns versahen sprangen wir in Leipzig auch schon wieder vom Karren. Ein sehr angenehmer Sonntagnachmittag. Und Schande auf alle, die lieber zuhause ihre Eier von links nach rechts geschoben haben und nicht mit uns mitgekommen sind.
Weitere Bilder vom Spieltag:

























Hinterlasse einen Kommentar