SV Auerhammer (1-3) BSC Rapid Chemnitz
26.06.2022 / 15:00 Uhr
Sportplatz Auerhammer / 376 Zuschauer
Herren / Landesklasse Sachsen-West
Irgendwie kam der eigentlich gedachte Doppler Kölleda/Sangerhausen mangels Mitfahrer nicht zu Stande und so wurde sich auf die Landesklasse West fokussiert. Wieso die immer nur Plan B ist, kann ich auch nicht sagen. Ist man mit der S5X von Böhlen eigentlich recht fix nach Zwigge gedüst – in die Stadt mit dem schönsten Hauptbahnhof Sachsens (knapp vor Döbeln). Gefühlt (und auch wirklich) hat sich hier seit tiefsten Ostzeiten nichts getan. Zumindest gibt’s ein Buttercroissant mit Kaffee zum Klar kommen – Alkohol wird bei der utopischen Hitze mit bestimmt 150% Luftfeuchtigkeit sowieso nicht fließen.


15 Minuten vor Kickoff in Aue angelandet, übermannt mich dann die Panik. 30 Minuten laufen?! Das sah bei Maps aber kürzer aus. Jegliche Ambitionen hier noch den Anpfiff zu sehen, begrub ich bereits (auch angesichts der heftigen Steigung vor mir). Die Rettung tauchte in einer Nebenstraße auf – in Form eines kleinen Flitzers aus dem tschechische Volksmusik tönte. Bevor ich den Herren Sznappsen und Littmann die Füße küssen konnte, ging es auch schon weiter. Einige Pöbeltiraden später (auf die quasi komplett durch Baustellen gesperrte Innenstadt), landeten wir pünktlich zum Anpfiff am Sportplatz Auerhammer an und trafen auf weitere bekannte Nasen.


Die Gäste reisen mit 2 Punkten Vorsprung und einem deutlichen höheren Torverhältnis vor den parallel bei Reichenbrand spielenden Reichenbachern auf Platz 1 an. Der Aufstieg in die Landesliga scheint (!) nur noch Formsache zu sein. Dies ließen sich auch bestimmt 100+ Kappler Anhänger nicht nehmen und reisten unter anderem mit eigenem Bus an. Es ist keine große Überraschung, dass bei Rapid Chemnitz der ein oder andere CFC-Kurvengänger rumläuft/ spielt und da Aue parallel ein Testspiel zuhause abliefert, vermutete manch Mitreisender einige Kiebitze, die noch vorbei schauen könnten. So viel vorweg – dazu kam es nicht. Auch der Political-Correctness-Counter musste nach einem „Komm doch rüber, du hoomooo“ (des Sachsen liebste Beleidigung ;-)) überraschenderweise nicht mehr bedient werden. Und doch ist es immer wieder erstaunlich, was da alles für Gestalten unterwegs sind. Mit Bedauern muss an dieser Stelle wiederholend festgestellt werden, dass es ein absoluter Skandal ist, dass „Ronny und die 40 Säufer“ nicht mehr im Netz zu finden ist. Über gegenteilige Hinweise wäre der Autor sehr dankbar.
Nachdem die Erlebnisse der letzten Wochen ausgetauscht waren und uns der Sachseninformer in den Relegationswahnsinn des bayrischen Fußballs eingeführt hatte, konnte sich aufs wesentliche konzentriert werden. Während Rapid das Ding einfach nicht reinbekam, zerschoss Reichenbach in Chemnitz Eiche Reichenbrand und wir begannen langsam zu rechnen. Bei einem Unentschieden braucht Reichenbach ein 14:0. Klingt viel, aber wenn da im Minutentakt der Fußball.de-Ticker klingelt und bis zur Halbzeit 5 Buden fallen, scheint nichts unmöglich. Bei uns passierte unterdessen nichts und als dann noch der Schiri trotz guter Sicht einen deutlichen, deutlichen Elfer für Rapid nicht gab, vermutete man schon die ganz große Schummelei.


Nicht unterschlagen wollen wir die passende Musikauswahl zur Trinkpause mit JBO „Mach noch eins auf“, die jedoch der einzige Glücksgriff des DJ’s blieb. Die restlichen Hits überzeugten hier keinen. Dabei gab die Gästekurve mit dem mehrfach selbst performten Malle-Hit „Layla“ doch klar vor, wo es hin gehen muss. Neben einigen „Eisern Rapid“-Rufen war’s das aber auch schon an akustischer Performance. Optisch sei neben den zugehackten Oberkörpern noch das „Divison Kappler Jungs“-Banner erwähnt.
Da ich zur Halbzeit ein Feuerzeug für den Grillmeister spendierte, gab es neben dem Steak direkt noch ne Wurst on Top und einen lauten Lobgesang auf mich. Für 3€ ergötzte ich mich also an einer feinsten Fleischplatte, was jedoch für die Chemnitzer Gäste keine Option darstellte. Mit „Marrrioooo, ’s gübd Gubaaa Librää“ entschied man sich heute für vegetarische Ernährung.


In Reichenbrand musste erst das 0:8 fallen, bis wir in der 63. dann auch mal ein Tor sahen. Rapid ging in Führung und zelebrierte dies auch mit etwas Pyro. Das glühende Bengalo danach in den Busch zu werfen, erwies sich bei Waldbrandstufe 5 als wenig nachhaltig und so durfte der Block dann erstmal ein kleines Feuerchen löschen. Auf der Heimseite entlud sich unterdessen der Frust „Ich hab dir 5 Minuten für ne Gelbe gegeben, du hast es in 2 geschafft!“. Göttlich.
Nach dem 0:9 im Parallelspiel fiel dann auch in Minute 67 das verdiente 1:1 für Auerhammer. Danach machten sich die konditionellen Unterschiede bemerkbar – von Blau-Gelb war nicht mehr viel zu sehen und nach einem verwandelten Rapid-Elfer in der 75. in Kombination mit ausbleibenden Toren im Parallelspiel, zeichnete sich der Spielausgang doch ab. Minute 88 (wie soll es anders sein) wurde nochmal wichtig: der Hammers-Capitano geht nach 20 Jahren mit seiner Auswechslung von Bord und direkt im Anschluss mach Rapid mit dem 1:3 den Deckel drauf. Sehenswert der Bengel auf der Gegengrade, der eisern auf der Bank stehend seine Rauchfackel in den Himmel streckte. Wenn Johannes B. Kerner das wüsste…


Und dann war auch schon Schluss und der Aufstieg wurde mit einem Platzsturm zelebriert. Als ich die Offiziellen am Pokal auf das 10:0 in Chemnitz ansprach, wurden die gleich ganz giftig und äußerten deutlich, dass das ne absolute Frechheit sei. Naja ungewöhnlich hohe Ergebnisse zum Saisonabschluss sind in diesen Ligen ja nichts ungewöhnliches. Nachdem die Gästefans und Spieler gemeinsam im Kreis ihren Sieg feierten und anschließend noch einiges zündeten, wurde dann der Pokal eingeheimst und mit der Ansage „Jetzt mach die Blechschüssel voll hier“ dann auch die Richtung für den Abend vorgegeben. Was für ein gelungener Tag mit edlen Mitbesuchern.
Weitere Bilder vom Tag:






Hinterlasse einen Kommentar