Nordhausen im freien Fall

FSV Wacker 90 Nordhausen (1-3) FC An der Fahner Höhe
25.05.2023 / 18:30 Uhr
Albert-Kuntz-Sportpark Nordhausen / 298 Zuschauer
Herren / NOFV Oberliga-Süd (5.)

Lesezeit ca. 10 Minuten

Ich weiß gar nicht mehr, wer genau mit dem Vorschlag um die Ecke kam, zum „Abstiegskracher“ nach Nordhausen zu fahren. Ehrlicherweise hielt ich das für einen Scherz, doch das Lachen blieb mir beim Anblick der Tabelle im Hals stecken. Wacker Nordhausen steht tatsächlich vor dem freien Fall in die Verbandsliga. Klar ist man im Albert-Kuntz-Sportpark zuletzt nicht besonderer Sympathieträger gewesen. Da waren die ganz großen Ambitionen, Thüringens Nummer 1 zu werden. Mit einem Kader, der ein Sammelsurium aus Namen darbot, die man als Sport-im-Osten-Ultra einfach kennt. Scheinbar hatte man trotz Gips-Investor aber gar nicht das Geld dafür. Irre 10 Millionen Euro Schulden tauchten auf einmal auf und sorgten für die Insolvenz, mit der auch alle bekannten Spielernamen rasch verschwanden. Für wenig Sympathie sorgte vor allem, dass der Verein letztlich lediglich 9 Punkte abgezogen bekam und sich so auch sportlich hätte halten können. Dann kam Corona und fast unbemerkt stieg der Traditionsverein in die Oberliga Süd ab. Das komplett irrwitzige – am Stadionumbau wird trotzdem festgehalten und so präsentiert sich uns ein Rohbau, der selbst für die Regionalliga üppig gewesen wäre.

Nach flüssiger Hinfahrt mit Basti, Hannes & die feinsten Groeg, fielen wir kurz vor dem Anpfiff aus dem roten Edelflitzer. Eine asoziale 49€-Tickettour scheiterte wieder an der malochenden Bevölkerung. Man ey.
Mit dem Besucheransturm von 298 Zuschauern war man vor Ort scheinbar völligst überfordert. Erst stand man ewig für ein Ticket an und dann die restlichen 35 Minuten bis zur Halbzeit für ein Bier. Die Nordhäuser sind jedoch nicht so trinkfest, wie man jetzt vielleicht meinen möchte. Sie können einfach keine Zapfanlagen bedienen. Entsprechend giftig war die Stimmung am Verkaufsstand, die die Heimelf mit ihrer Nicht-Leistung auf dem Platz auch weiter einheizte.

Für viele im Stadion war klar, dass die Punkte heute gegen den Fusionsverein FC An der Fahner Höhe her müssen. Die stehen ähnlich scheiße in der Tabelle da, haben aber offensichtlich noch Ambitionen, nicht abzusteigen. Bereits zur Halbzeit zeichnete sich beim Stand von 0:1 ab, dass man hier heute nichts mehr holt. Wir legten alle Pöbelkraft rein, um die Stimmung einzuheizen und erlebten dann auch direkt vor unserer Nase, wie beide Ersatzbänke einige Meinungsverschiedenheiten zu klären hatten. Die Gäste sind nun mal arrogante Kotzbrocken und Wacker wie die Wade ihres Coaches, nachdem er sich ein ganz besonderes Tattoo stechen lassen hat – gereizt.

Die Gäste ließen sich ihre Chancen nicht entgehen und fertigten Wacker letztlich rotzfrech mit 1:3 ab. Die Stimmung nach dem Abpfiff lässt sich kaum beschreiben. Drückende Leere & Stille – der Abstieg in die 6.Klassigkeit wird nicht mehr zu verhindern sein. Was sich danach entwickelte, war nur absehbar. Die Mannschaft wurde vom Publikum als Konzeptlos, planlos und mutlos beschimpft, wortführend insbesondere ältere Recken, die für ihre BSG Motor Nordhausen auch zu DDR-Zeiten sicher alles gegeben haben. Der Schmerz des tiefen Falls entlud sich dann auch in einer handfesten Auseinandersetzung, in die auch Spieler involviert waren. Der Teamcoach war übrigens nicht mehr zugegen – auch seine Tage werden sicher gezählt sein.

Unglaublich, wenn man bedenkt, wo dieser Verein her kommt. Sehr taktvoll, dass die Gäste auch dann auf ausgiebiges Feiern auf dem Platz verzichteten und schnell verschwanden. Kaum zu glauben, dass dieser Verein in 1 1/2 Wochen noch ein Landespokalfinale gegen Jena in Jena spielen soll – übrigens ebenfalls mit einer Portion Ärger im Gepäck. Das Statement der Szene lest ihr aber lieber selbst:

#Flo

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