Mein Bock auf Fußball war zuletzt ja eher gegen 0 gegangen und für die meisten Toureinladungen hatte ich dann doch immer ne gute Ausrede parat. Als nun der gute Hannes mir sein Ticket für den Kick zwischen Chemie Leipzig und Eintracht Frankfurt anbot, konnte ich dann aber auch nicht mehr nein sagen. Schnell noch auf Arbeit dem Kollegen angekündigt, dass er mit seiner Bimmel auf der ohnehin verhassten Linie 7, heute einen ganz besonders nervigen Arbeitstag haben wird und dann ging es auch schon los zum Hauptbahnhof. Das ich mich mal wieder absolut in der Zeit verrannt hatte, war gar nicht weiter dramatisch. Sowohl der Sachsengroundhopper, als auch Basti kündigten beide Zugverspätungen an. Immerhin erreichten sie beide unseren Treffpunkt, die von Verspätungsausffällen geplagte RB110 hat Reisen aus der Parthenstadt mittlerweile unmöglich gemacht. Und der darauffolgende Zug aus Dresden hätte Alex‘ nie nach Leipzig befördert, da er in Kühren in Flammen aufgegangen ist. Wenig verwunderlich, dass mit den beiden im Schlepptau die darauffolgenden 3 S-Bahnen nach Leutzsch ausfielen und die Regio aus Eisenach mit ihren 20 Minuten Verspätung gar nicht erst am Hbf auftauchte, sondern gleich in Leutzsch drehte. Zum Glück ist ja der Bimmelfahrer a.D. am Start und konnte direkt auf eine überfüllte Linie 7 nach Leutzsch verweisen.
Angekommen, die letzten Meter laufen, anstellen, Bullette und Bier, bekannte Nasen treffen und dann ab neben den Famileinblock. Wieso mir das alles so vertraut vorkam, verriet mir auch direkt die gute Groundhopping-App: mein 10.er Besuch im altehrwürdigen AKS steht heute an. Das Badget schmeichelt mich und ist trotzdem irgendwie unangenehm. Aber wer kann es einem Fußballliebhaber schon verübeln, hier gelegentlich aufzutauchen? Mit dem neuen Flutlicht ist die ganze Hütte nicht weniger atmosphärisch geworden. Dies ist übrigens auch der Grund für den Besuch der Frankfurter Eintracht am heutigen Freitagabend. Alle Geschichten dazu sind lang und breit erzählt und konnten vor dem verschobenen Anpfiff auch nochmal ausgiebig besprochen werden. Genauso wie der Fakt, dass auch heute weit mehr als die offiziellen 4.999 Zuschauer hier sind 😉

Zum Intro verlegte ich meine Position auf die Holztribüne. Da einige Flachpfeifen bereits frühzeit die Mini-Bengalfackeln (Form und Funktion einer Wunderkerze) zündeten, war mir bereits klar, dass mich ein ähnliches Intro erwartete, wie vor einem Jahr beim Spiel Chemie-Jena. Ziemlich zeitig wurde dann vor mir das Freundschaftslogo hochgezogen, was durch einige Windböen leider gut vernehmbar riss und bereits vorm Einlauf wieder heruntergenommen wurde. Dann noch der Aspekt, dass die Fanlager die abgeschaltete Beschallung kaum für einige Gesänge nutzten… Ich war vermutlich nicht der einzige, der froh war, als der Einlauf endlich alle von der quälenden Warterei erlöste. Das Intro war dann sicherlich auch so i.O. und wurde in beiden kurven von einzelnen Bengalos aberundet – jedoch war das dann doch alles weit unter den Erwartungen. So richtig kam die ganze Angelegenheit dann auch nicht in Schwung und so übertönten zum Teil die Gespräche der Nachbarn die Gesänge beider Kurven. Hab ich so hier auch noch nie erlebt. Man gab sich dem schließlich hin und lernte so einige neue groundhoppende Nasen kennen – die sympathischste wie merkwürdigste Begegnung sicherlich mit dem gleichermaßen bekennenden Chemie- & Dynamo-Fan aus Mittelsachsen. Lol.
Schon in der Halbzeitpause zeichnete sich in beiden Kurven ab, dass nach dem Pausentee nochmal richtig abgerissen werden sollte. Und noch während wir uns einen einzeln stehenden, vermummten Chemiker als Titelbild auf der nächsten „Erlebnis Fußball“ ausmalten, ging das ganz große Feuerwerk los. Chemie zündete von Bengalo bis Raketen alles, was das pyrotechnische Herz so begehrt. Frankfurt wiederum verteilte hinter dem Banner „Wir bringen Licht nach Dunkeldeutschland“ scheinbar an jeden zweiten Mainstädter ein Bengalo und sorgte mit dem anschließend gezündeten Rauch auch für eine Spielunterbrechung, weil wirklich absolut nichts mehr zu sehen war. Probs an den Schiri der die ganze Angelegenheit wirklich super entspannt über die Bühne brachte.
Als Chemie in der 47. und 53.Minute mit zwei Toren in Führung ging, gab es dann auch für die ganzen Schwätzer aus Halbzeit 1 kein Halten mehr. Man sang sich in einen utopischsten Rausch und es wurde bis zum Schlusspfiff ohne vernehmbare Unterbrechung gezündet und gefeiert. Klar, dass man da noch nen Ohrwurm mitnimmt:
Wir gehen unsern eigenen Weg.
Ohrwurm: Richtig gut geschlafen und der Kopf tut trotzdem weh… Chemie Leipzig Ultras beim FSV Zwickau 23/24 – YouTube
Die Bullen und Verbände sind zu spät!
Im Kunze-Sportpark herrscht für immer Anarchie:
Das ist Leutzsch, vergesst das nie!
Auf dem Heimweg hörten wir noch eine ganze Weile die Fans im AKS feiern. Alex und ich kamen ins schwärmen über diese zweite Halbzeit – ohne Ordner, ohne Bullen, ohne Stress. Wenn Fußball doch nur immer so wäre – ich würde nie wieder aufhören damit!
Weitere Bilder (Danke an Alex @Sachsengroundhopper, dass du auch wieder deine Bilder in den Topf geworfen hast!):
#Flo












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