Westklassiker, Spektakel & Boykott – Aachen in Wuppertal

Wuppertaler SV (3:4) Alemannia Aachen
02.12.2023 / 14:00 Uhr
Stadion am Zoo (Wuppertal) / 5.617 Zuschauer (ca. 3000 Gäste)
Herren /
Regionalliga West (4.)


Die wenigsten Reisen passieren ja grundlos. Der ziemlich gute Grund, ein Wochenende in Köln zu verbringen waren Konzerttickets für 100 Kilo Herz. Als die Damen der Runde dann jedoch direkt mit Sightseeing und Weihnachtsmarkt um die Ecke kamen, suchten Johannes und ich panisch nach Alternativen und fanden sie in Wuppertal. Dies sollte sich trotz der bitteren Kälte und gefährlich billige Glühweinpreise als äußerst gute Wahl herausstellen. Genauso darf im übrigen empfohlen werden, lieber auf zeitintensivere Direktverbindungen zurückzugreifen. Mit den Verspätungen des Wochenende’s wären wir wohl heute noch unterwegs. Wohlbehalten angekommen und mit einem Motivationsspruch auf Trap gehalten, wurden die letzten Meter natürlich stilecht mit der Schwebebahn absolviert.

Eine Stunde vor Anpfiff hatten die gut 3.000 Gäste bereits gut angeflaggt und gaben ein stabiles Gesamtbild ab. Gähnende Leere fand man auf der Heimseite vor. Der Block füllte sich zwar noch in den Minuten bis zum Anpfiff – ein „Gegen Betretungsverbote“-Banner und nur wenige Aktive bestätigten die böse Vorahnung, dass da heute boykottiert wird. Zusammenhänge zum Platzsturm beim letzten Heimspiel (aus Unzufriedenheit über fehlenden Einsatz & Kampf führten zu einem Besuch bei den Spielern in der Kabine) bestätigten sich jedoch nicht. Vielmehr hatten die Wuppertaler in der Nacht davor wohl versucht, in den Gästeblock einzudringen und Öl zu verteilen. Die Bullen hatten dies mitbekommen und 24h-Betretungsverbote ausgesprochen. Offensichtlich ohne den Hintergrund zu kennen, solidarisierten sich die Gäste und sprühten ebenfalls fix ein Spruchband.

Auf Seiten der Gäste war die Stimmung ausgesprochen gut, woran auch das frühe 0:3 (nach 28 Minuten) erstmal nichts änderte. Lediglich vereinzelte Buh-Rufe aus dem Aachen-Block bei jeder Ballberührung vom eigenen Ulrich Bapoh fielen negativ auf. Die Schwarz-gelben sind nicht dafür bekannt, sonderlich links zu sein & so ist der Verdacht Rassismus wahrscheinlich schon kein unbegründeter. Generell gibt es aus der Beobachterperspektive einige Dinge, die einen stark an Cottbus oder Chemnitz erinnern. Andersdenkende wurden durch die Karlsbande mundtot gemacht und aus der Kurve vertrieben. Einziger Unterschied ist hier wohl, dass dies nicht wirklich durch die breite Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen wurde. Der gemeine westdeutsche Verleger zeigt eben doch lieber gern mit dem Finger auf den Osten.

Die 1.Halbzeit nahm jedoch bald eine rasche Wendung und plötzlich war Wuppertal mit 2 Toren wieder am Drücker. Besonders letzteres Elfmetertor geriet in den Fokus, da der eben benannte Bapoh völlig freidrehte und überhaupt nicht mehr zu bremsen war. Grade wieder beruhigt, zeigte er noch Richtung Bank „auswechseln“ an und bekam direkt im Anschluss Gelb-Rot, woraufhin er erneut durch die Decke ging und wohl auch noch im Kabinengang randaliert. Auslöser für diesen wirklich derben Kurzschluss konnte man keine ausfindig machen – nachdem Spiel entschuldigte er sich ausführlich für sein Verhalten.

Beim Stand von 2:3 bleibt in der Halbzeit ein kurzer Blick auf den Ground. Heute kaum vorzustellen, dass hier früher mal eine Radrennbahn war (eine der schnellsten Europas). Der Umbau zu einem reinen Fußballstadion läuft seit den 90ern. Zuerst wurde die luftige & offene Haupttribüne errichtet, in den 00er-Jahren dann die beiden Hintertor-Tribünen, welche beide übrigens über keine hohen Zäune verfügen, was einen schönen Blick auf die Szenen bietet. In diesem Jahr spielte man lang in Velbert, da der Rasen eine komplett neue Drainage und Rohre für eine mögliche Rasenheizung bekommen hat. Demnächst soll auch die Gegengrade erneuert werden, alles überdacht und damit laut Investor eines „der schönsten Stadien Deutschlands“ entstehen. Beim Anblick der Planungsbilder überhaupt noch von Stadion zu sprechen, find ich jedoch bereits eine Zumutung. 25.300 Zuschauer haben derzeit hier Platz.

Nach dem Pausentee spielten die Gastgeber ihre zahlenmäßige Überlegenheit aus und bestimmten den Kick, bekamen das Ding jedoch nicht im Kasten unter. Erst in der 81. Minute wurde der Ausgleich erzielt und von Stimmungsboykott und fehlender Spannung konnte von nun an keine Rede mehr sein. Es war wiederum der Aachener Anton Heinz, der seinen dritten Freistoß des Tages in der 87. zu einem Tor verwandelte. Utopisch. Damit war dann aber auch jegliche Hoffnung besiegelt, dass die so wichtigen Punkte an der Wupper bleiben würden. Aachen bleibt somit weiter am Primus Bocholt dran, in Wuppertal wird man jedoch aufpassen müssen. So langsam sollte man die Kurve bekommen, um nicht tiefer als den aktuellen Platz 7 abzurutschen. 12 Spiele, 12 Punkte sind keine Ausbeute, mit der man auch nur ansatzweise oben mitspielen kann.

Zufrieden über dieses Häkchen in der Groundliste, ging es weiter Richtung Köln, wo ein wenig Punkrock zelebriert wurde. Über alle spritzigen Katastrophen der Hostel-Nacht lest ihr im folgenden Bericht über Karlsruhe-Rostock.

#Flo

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