Fortuna Düsseldorf II (0:3) Borussia Mönchengladbach II
28.04.2024 / 14:00 Uhr
Paul-Janes-Stadion (Düsseldorf) / 2475 Zuschauer (ca.1 Gast)
Herren / Regionalliga West
Adam Bodzek. Ein Name, der in mir sofort Emotionen an eine Phase weckt, wo ich sehr auf Fortuna-Videos.de abgefahren bin. Das Jingle, wenn die ersten Töne anklingen, ein langgezogener Torschrei und dann die einstimmende rauchige Stimme von „Der neue Westen“… Mit soften 15 hakte es bereits da bei mir aus. Das Jahr Bundesliga wurde eng und begeistert verfolgt und somit sind Namen wie Axel Bellinghausen, Lumpi Lambertz & eben Adam Bodzek fest abgespeichert und mit Legendenstatus versehen.
Axel ist nach seinem Karriereende Co-Trainer bei der Ersten geworden und seit 2022 Manger des Vereins. Lumpi wiederum ist Coach der zweiten Mannschaft geworden, in welcher Adam Bodzek seit 2 Jahren mit zarten 38 Jahren sein Profitum ausklingen lässt und die Mannschaft stabilisiert. Eine solche Vereinsbindung ist selten geworden und spricht für genau das Vereinsflair in der Saison 2012/13, welches ja irgendwie auch mich angefixt hat.
Wir waren schon auf dem Weg nach Duisburg, als mir die Info zu seinem Abschiedsspiels um die Ohren flog. Da hatte der geplante Doppler Herne (Schloss Strünkede) & Wattenscheid natürlich nicht den Hauch einer Chance, noch anvisiert zu werden.

Die Szene mobilisierte zum Spielbesuch und enttäuschte auch nicht, als uns der Taxifahrer am Ground absetzte: die Nordtribüne des Paul-Janes-Stadions präsentierte bereits ein rot-weißes Fahnenmeer und auch die Haupttribüne war rappelvoll. Ich war jedoch erstmal damit beschäftigt, Basti nicht direkt die Fresse zu polieren. 5 Minuten vor Ankick sind wir da, ich will zum Platz und er sortiert am Einlass erstmal in aller Seelenruhe seinen Rucksack, bevor er ihn abgibt. Keine Ahnung ob er wie gestern erstmal wieder das Wetter recherchieren musste, um nicht vielleicht doch seine Unterhose mitzunehmen. Wie kann man nur solche Nerven haben!?!

Pünktlich zum Intro nahmen wir unsere Plätze ein. Zum eben erwähnten Fahnenmeer wurde ein Banner „Liebe ist rot, Engel sind weiß. Bodzek sieht gelb – danke Adam“ präsentiert. Der dazugehörige Fangesang verkeilte sich direkt im Gehörgang und will seitdem auch nicht mehr hinaus („Die einzig wahren Farben, für uns sind rot & weiß. Liebe ist rot und Engel sind weiß, wie Fortuna Düsseldorf“)
Über die komplette Tribüne hing ein Tifo „Ewige Liebe Fortuna geschwor’n – Seite an Seite immer nach vorn“, hinter welchem eine gute Mitmachquote zu verzeichnen war. Dabei wurde auch regelmäßig die Haupttribüne in Wechselgesänge eingebunden, welche bereitwillig mit einstieg und so z.B. auch einen minutenlangen Wechselgesang zelebrierten, der wahrscheinlich immer noch durch Flingern schallen würden, wenn Gladbach nicht den Ball eingelocht hätte. Untermalt wurde mit der ein oder anderen Fackel, was uns durchaus auf eine größere Pyroshow hoffen ließ. Diesen Wunsch erfüllte man uns jedoch nicht. Der einzige Gästefan saß übrigens hinter uns und brüllte bei jedem der drei Gladbach-Tore so laut herum, dass es nicht nur seiner weiblichen Begleitung maximalst unangenehm gewesen sein dürfte. Für alle anderen 2.500 Zuschauer hatte das sportliche nur am Rande eine Bedeutung. Die Zweitvertretungen von Fortuna und Gladbach stehen zwar unten drin. Da Lippstadt zurzeit jedoch keine Anstalten macht, die Klasse halten zu wollen, sind die Messen in der RL West eigentlich auch schon gelesen (Anmerkung 13.05.: Lippstadt ist mittlerweile abgestiegen). Interessiert hier keinen und muss es auch nicht, da Lippstadt wieder verliert und so der Fortuna trotz der heutigen 0:3 Niederlage den Klassenerhalt besorgt.

Die höhere Relevanz hatten da schon die beiden Kicker der ersten Fortuna-Mannschaft, die sich direkt vor uns platzierten und natürlich um manch Foto gebeten worden. Und bei Bier und Bratwurst wird im Pott natürlich sofort das letzte Spiel ausgewertet – egal wer gegenüber steht. Joshua Quarshie wurde direkt auf das gestrige Abendspiel angesprochen „Hattest du den Schalker gestern eigentlich am Arm oder nicht?“, wobei sein Kollege sofort beiseite sprang mit „Klar, war deutlich Elfer.“ Die Unterhaltung wog jedoch nicht das irre stinkende Parfüm auf, welches die beiden aufgetragen hatten. Ist natürlich auch ne Option, junge Damen zu klären, in dem man sie aufgrund akuter Atemprobleme einfach in Ohnmacht fallen lässt. Basti und ich waren jedoch froh, nicht erstickt zu sein, als die beiden nach einer halben Stunde wieder den Platz wechselten.

Nach dem Pausentee hatte der Fortuna-Block die nächste Aktion auf Lager. Mit einem Banner „28.04.2004 – Sportlicher Wendepunkt – Werte für Generationen“ und vielen Kassenbandrollen erinnerten die Fans an die Rückkehr in den Profifußball exakt vor 20 Jahren. Anschließend wurden auch hier wieder mehrere Bengalos gezündet, wobei man die Stimmung nicht mehr so euphorisch und ausgelassen gestalten konnte, wie noch zu Halbzeit 1. In der 79.Minute passierte dann, dass was in einem Abschiedsspiel immer passieren sollte: ein Gladbacher marschiert nach einem Fehlpass aufs Düsseldorfer Tor, Adam Bodzek kommt nicht mehr hinterher, hält am Arm fest, worauf der Gladbacher fällt. Auf klare Verhinderung einer Torchance steht die rote Karte und die bekam er dann auch. Die Fans ahnten sowas wohl schon und so zeigten die Ultras eine große Gelbe Karte inklusive „Die letzte Gelbe gibt’s von uns“-Spruch. Es folgten Standing Ovation und der Gang in die Kurve, in welcher er sich bedankte, ein Retro-Trikot überreicht kam und ausgiebig mit „Adam-Bodzek-Superstar“-Gesängen gefeiert wurde.

Zum Abschluss der Partie wurde dann die offizielle Verabschiedung durchgeführt, mit einigen Grußworten und Geschenken. Auch die Gladbacher zeigten sich respektvoll und verfolgten die Ehrung. Abschließend gab es eine Feuerwerksbatterie, was am helllichten Tag natürlich doch etwas witzlos war. Optisch und Akustisch war das Tribünen-Programm trotzdem äußerst stabil und eine Bestätigung dafür, dass man sich die Fortuna doch immer mal reinziehen kann. Und natürlich das kultige Paul-Janes-Stadion. Lediglich der ansprechende Blick von der Gegengrade auf die Tribüne mit Kraftwerk im Hintergrund, blieb uns leider verwehrt. Bleibt die Rückfahrt im überfüllten RE1, wo man in 40 Minuten Fahrt schon wieder auf Fans von Essen und Union traf. Wie die das hier im Pott machen, dass es nicht jede Woche 200x auf irgendwelchen Bahnhöfen knallt, bleibt mir als Ossi doch ein Rätsel.
Alles in allem ein schniekes Wochenende mit 4 besonderen Kicks in Duisburg (Abstiegsspiel gg Sandhausen), Uerdingen (Stunden nach der nächsten Fast-Insolvenz), Gladbach (2.Frauenbundesliga im Grenzlandstadion) und hier in Düsseldorf. Over and out.



#Flo

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