Pokalschreck Eutritzsch – Vol.2024

SV Lipsia 93 Eutritzsch (3-3/ 7-8 n.E.) FSV Motor Marienberg
20.11.2024 / 13:00 Uhr
Sportplatz Thaerstraße (Leipzig) / 320 Zuschauer (ca.30 Gäste)
Herren / Landespokal Sachsen (Achtelfinale)


Länger hat man im Leipziger Norden gezittert, ob der anstehende Sachsenpokalkick gegen die Gebirgstruppe mit dem wohlklingenden Namen „Motor“ überhaupt noch stattfindet. Erste Schneefälle bringen das Absagenmonster natürlich in Wallung und Sachsens ältester Fußballverein ist prädestiniert dafür, vorsorgshalber direkt den Platz zu sperren. Vielleicht hat das eine oder andere kluge Köpfchen jedoch bereits geahnt, dass der tiefe Rasen für die favorisierten Gäste ein entscheidender Nachteil werden könnte. Alle anderen Achtelfinalisten spielten ihre Partien bereits vorm eigentlichen Termin am Buß- & Bettag aus. Da auch der parallel angesetzte Polit-Kracher zwischen Wurzen und Stern in einer weiteren Pose abgesagt wurde, durfte mangels attraktiver Alternativen mit einem hohen Hopper-Aufkommen gerechnet werden.

Klugerweise hatte der Sächsischen Fußballverband bereits einige Tage vorher die nächste Runde ausgelost. Super nervig, wenn man schon vorher weiß, wer als nächstes auf einen wartet. Die zwei Derby’s Lok-Chemie und Chemnitz-Aue sorgen dafür, dass zwei „echte“ Amateurteams bis ins Halbfinale kommen können. Allerdings wartet in der nächsten Runde eben auch der Oberligist FC Grimma auf den Sieger der heutigen Partie. Im Lipsia-Kosmos gehen die Meinungen darüber weit auseinander. Klar, willst du im Pokal immer das große Los, aber leider ist das im Sachsenpokal auch oft mit Ansetzungsärger verbunden. Man darf erstaunt den Hut davor ziehe, was Tapfer Leipzig in der aktuellen Runde auf die Beine gestellt hat, um zuhause gegen Aue spielen zu dürfen. Und am Ende des Tages kommt man finanziell bei Null raus. Irgendwie auch nichts, was man seinem Verein dann wünscht.

Um die aktiven Fans auf der Eutritzscher Gegengrade war es zuletzt ruhiger geworden. Ausrichtungskonflikte haben die feuchte Leber „Mokra Watroba“ trocken gelegt. Die Kerngruppe, die schon in ihren Teenie-Tagen als Eutritzscher Jungs zu ihrem Verein standen, existieren inaktiv als loser Zusammenschluss fort. Natürlich lies man es sich bei diesem Highlight nicht nehmen, eine kleine optische Aktion vorzubereiten. Diese wurde im Vorlauf fertig gestellt und durch einen Spruchband für die Freunde aus Zschorlau ergänzt. Hier gibt es über einen Eutritzscher Kicker rege Kontakte hin – Trainingslager, Freundschaftsspiele und regelmäßige gegenseitige Besuche. Dass diese heute hier auftauchten, war für die grün-weißen auch eine Überraschung und sorgte insbesondere in Halbzeit zwei für gute Stimmung. Regelmäßige Gesänge sind etwas, was man beim hiesigen trink- & pöbelwütigen Publikum sonst eher nicht kennt.

Nass, kalt und windig gestaltete sich das Ambiente, bei welchem Marienberg als 6.ligist gegen den 7.ligisten natürlich als Favorit ins Rennen ging. Nicht unbekannt dürfte der blau-gelbe Ex-Profi André Luge (Jena, RB Leipzig, Zwickau, Regensburg) sein, welcher schnell seine individuelle Klasse unter Beweis stellte. Lipsia ging mutig und selbstbewusst ins Spiel – kassierte jedoch früh (bis zur 23.Minute) ganze 3 Tore. Da wurden defensive Fehler eiskalt bestraft. Mehr war jedoch von Marienberg auch nicht zu sehen. Schon zu diesem Zeitpunkt war zu erahnen, dass die Leipziger hier noch nicht fertig waren. Mit einem 1-3 ging es in die Pause und der Himmel zog sich zu.

Mit dem Wiederanpfiff ergänzten Schnee und Regen das ohnehin ekelhafte Lipsia-Portfolio. Die Gegengrade war mittlerweile in übelster Pöbellaune. Bälle kamen nicht mehr an, Windböen trieben gut geschlagene Abstöße hoffnungslos ins Aus. Dass die Grüß-weißen hier die Moral und Kraft besaßen, Extra-Meter zu gehen, zahlte sich 10 Minuten vor Schluss aus. Beim 2:3 (80.Minute) war jedem im Stadion klar, dass der Pokalschreck wieder am Start war. 8 Minuten später versinkt ein Sportplatz in Ekstase, als Maximilian „Stöcki“ Stöckmann den Ausgleich besorgt. Selbst eher neutrale Umstehende fanden sich jubelnd auf dem Platz wieder. Bis zur letzten Sekunde drückte Lipsia noch auf den Siegtreffer, konnte Chancen erstolpern und in vertrauter Eutritzscher Manier knapp versemmeln. Zu einem Pokalfight dieser Art gehören natürlich auch Karten. Verzichtete der Ref in HZ1 noch auf diese, hagelte es umso mehr in Halbzeit 2. Ausgerechnet den Lieblingsfeind der mitgereisten Zschorlauer Kevin Matthes („Der hat letztens mit der Zwoten bei uns gespielt – riesiges Maul und nichts geschissen bekommen“) rüttelte zuletzt kräftig am Kartenbaum und wurde völlig zu recht früh duschen geschickt. Das zeigen auf die Eutritzscher Jungs wurde mit vehementem Kopfschütteln des Referees abgewiesen – im Leipziger Norden wird dir nichts geschenkt, du Vogel!

In der Verlängerung drückte weiter Lipsia, musste sich konditionell aber irgendwann mit dem absoluten Endgegner abfinden – Elfmeterschießen. Als Fan ist sowas immer gar nicht so geil und da kamen die Grimmaer Spieler (getarnt als Zuschauer) ganz recht, die zum Druckabbau erstmal wüst bepöbelt wurden. Sie werden tief durchgeatmet haben, als ausgerechnet der Sohn der Eutritzscher Präsidenten den 3. Elfer für Lipsia verschoss. Da jeder Marienberger Treffer stabil saß und Lipsia-Keeper „Baumi“ sich zu seinem Geburtstag leider mit keinem gehaltenen Elfer belohnen konnte, schrammt grün-weiß am Ende denkbar knapp an der erneuten Pokalsensation vorbei.

Stolz auf den Kampf dieser Mannschaft ist kein Ausdruck. Man hat am Eutritzscher Markt mal wieder eine Visitenkarte im Landespokal hinterlassen, die sich herumspricht: Eutritzsch ist ekelhaft! Moral, schwer bespielbarer Platz und unbedingter Wille. Und nicht zu vergessen der Hang zu bodenlosen Pöbeltiraden. Schön irgendwie auch zu sehen, dass ausgerechnet die Schiri’s immer einen locker, lustigen Umgang damit haben und die gegnerischen Spieler sich so simpel provozieren lassen. LG an Matthes.

„Schalalalala – Lipsia Eutritzsch wird Deutscher Meister & wir hol’n uns den Pokal (in Zschorlau)!“

#Flo

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