SV 1916 Großrudestedt (1-2) SV Empor Buttstädt
17.05.2024 / 18:30 Uhr
Sportplatz Grubenstraße (Erfurt) / 873 Zuschauer (ausgeglichen)
Herren / Kreispokal Erfurt (Finale)
Gute Vorbereitung und Recherche kann hilfreich sein, wenn man mal wieder auf der Suche nach dem ultimativen Kick ist. Wiederum sind Kreispokalfinals eigentlich immer ne Bank. Und selbst mit dem Wissen um die Rivalität der beiden heutigen Kontrahenten und dem stattlichen Gästehaufen, hätte ich wohl niemanden mit Großrudestedt gg. Buttstädt hinterm Ofen hervorgeholt. Viel schlimmer noch – die angebliche Dekadenz die Distanz nach Erfurt mit dem ICE zurück zu legen (hallo, ich fahre doch nicht 3 Stunden mit’m RE durch die Vallachei!) zog doch allerhand Spott nach sich. Klar, dass dann nach dem obligatorischen Dönerdate mit der Mokra-Crew (bzw. dem Rest, der 13.30 noch mit mir speisen wollte) die ersten Pushmeldungen verkündeten, dass der weiße Blitz heute keine gute Option ist. Personen im Gleis, Stellwerksstörung, verspätetes Personal, Unwetter sind nur eine Auswahl der Gründe, wieso der anvisierte Zug letztlich 90 Minuten zu spät fuhr. In weiser Voraussicht folgte der Sprint zur Sbahn nach Halle, wo dann ein anderer ICE mich nach Erfurt transferieren sollte. Da dies streng genommen eine andere Strecke ist, hatte ich dafür eigentlich kein Ticket – weshalb ich mich im Bordbistro einquartierte um der Ticketkontrolle zu entgehen. Dies klappte auch äußerst gut und dank der hohen Verspätung & fehlender Kontrolle wurde das Ticket direkt über das Fahrgastrechteformular storniert. Ein was vorweg – da mein Rück-ICE direkt ausfiel, wiederholte ich gleiches Prozedere auch da erfolgreich und hatte letztlich einen kostenfreien Transfer mit 300kmh zu verbuchen. Ein was noch – in 10 Minuten kann man im Bordbistro vier Gläser zerscherbeln lassen. Ob das an dem hektischen Ralf lag, der bereits direkt mit Abfahrt hektisch schreiend durch den Wagen lief, dass alle wegen Personalwechsel jetzt bezahlen müssen – i don’t know.
Nach dem Hbf ging es direkt mit der Glocke zum Sportplatz Grubenstraße, wo sich ein utopischer Haufen an sportlichen jungen Männer sammelte. „Wie im Steigerwald hier.“ war sicher die zutreffensde Beschreibung eines jungen durchtrainierten Glatzkopfes und ich war froh, als ich 5 Minuten später drin war. Ticket für faire 4€, Schnipsel einfach mit Aufdruck „Essensmarke“. Naja gut. Auf der Gegengrade sammelte sich bereits ein ordentlicher Gästemob, auf der Haupttribüne die Großrudestedter Normalos und auf der Hintertortribüne die Jogginghosengang aus dem Steigerwald. Das übertriebene Fairplay-Gequatsche des Stadionsprechers vom Verband erschloss sich dann auch recht schnell – beide Vereine hegen eine lang gepflegte Rivalität. Und Empor Buttstädt-Anhänger sorgten erst vor zwei Wochen beim U17-Kreispokalfinale gegen Lok Erfurt für einen Spielabbruch in Minute 80, nachdem es unentwegt Hassgesänge, rassistische Beleidigungen und Würfe von Gegenständen auf den Schiri-Assistenten gab. Diese Info erhielt ich erst nach dem Spiel. Mit der Intensität des Singens aller mir bekannter deutschen Schmähgesänge (Schweine, Hört ihr das Gestöhne, Warum seid ihr Huren so leise), kann man sich das aber schon gut vorstellen. Darüber hinaus war die kleine Choreo „Auf zum Pokalsieg“ mit Folienschals in Blau & Weiß ganz gelungen. Die Vermummung einiger auf dem Zaun hängender Boys lies mich auf eine Pyroaktion spekulieren, womit ich jedoch falsch lag. Damit war das natürlich ähnlich lächerlich, wie die 2 Capo’s mit je einem Megafon, um die 30-40 aktiven auf den 3 Stufen vor ihnen anzuheizen. Irgend eine Aktion/ Spruchband gab es auch von Großrudestedt – da ich quasi neben denen stand, konnte ich davon aber nichts erkennen.
Das Aufeinandertreffen vor vier Wochen in der Liga endete mit einem klaren 5-2 für Empor und auch heute war die Elf deutlich stärker. Ich möchte jetzt nicht gleich von taktisch wahnsinnig gut eingestellt reden – spielerisch reden wir vom so ziemlich schlechtesten Kreispokalfinale, was ich jemals gesehen habe. Aber die Jungs waren halt bissiger und konnten somit auch schnell und verdient auf 2-0 stellen. Schnell war die Giftigkeit raus und das Spiel zeichnete sich fortan durch unzählige Unterbrechungen wegen diverser Zweikampf-Zusammenstöße aus. Grüße an die Medi’s – ihr seid heut definitiv mehr gelaufen, als die meisten Kicker aufm Platz. An meinem Platz war die Aufmerksamkeit sowieso längst auf die Assis hinterm Zaun gewandert. Ihr habt alle vor Augen was ich meine – Parkbank, freilaufende Kampfhunde, Bier, Hartz4 und keine Zähne. Die übernahmen jedoch die Bierversorgung aller Umstehenden und schleppten gegen Bezahlung kistenweise Bier ran, welches dann über den Zaun verkauft wurde. Bei der dürftigen Infrastruktur in der Grubenstr., die für die 873 zahlenden Zuschauer (+ die die einfach über den Zaun geklettert sind) einfach nicht ansatzweise ausgelegt ist, war das letztlich ein systemrelevanter Job. So lernte ich auch die Boys neben mir kennen, die gegen alles und jeden pöbelten & scheinbar wahllos irgendwelche Namen auf den Platz brüllten. Sie stellten sich mir als Entsandte von PETA vor, die eigentlich nur wegen der Pennerhunde hier seien. Sympatische Boys – aber fangt mal euren Dude ein, der die ganze Zeit minderjährige Mädels anquatscht. Alter der ist Mitte 30!
Halbzeit 2 begann mit dem Dank, dass bisher alles so fair geblieben ist. Klar, dass Empor das mit Schmähgesängen quittierte. Halbzeit 2 verlief dann ausgeglichener, wenn auch mit anhaltend gleich vielen Unterbrechungen, weil wieder irgendwer einen Krampf hatte. Die Freizeitsportler in Leipzig würden sich kaputt lachen. Zunehmend ging benannte Bissigkeit bei Buttstädt dann auch flöten, es wurde immer nickliger/ aggressiver. Großrudestedt kreierte immer mehr Chancen und bekam letztlich auch einige strittige Schiri-Entscheidungen nicht, was mit Blick auf die 90.Minute hochärgerlich ist. Denn da fiel dann plötzlich der 1-2 Anschlusstreffer. Es folgten nervenaufreibende 5 Minuten, die beim erlösenden Abpfiff (ne Verlängerung hätte sowieso keine Wade standgehalten) sich in einem Platzsturm der Empor-Anhänger entluden. Das blieb auch überraschende 120 Sekunden lang friedlich, bis es dann doch die handfeste Auseinandersetzung gab, in welcher ein Buttstädter Anhänger ein Mitglied vom Großrudestedt-Stuf mit einem astreinen Faustschlag niederstreckte. Dieser wollte meiner Beobachtung nach eigentlich nur schlichten. Also mal wieder Einsatz für die Medi’s, welcher für den getroffenen Coach dann im Krankenhaus endete. Klar dass sich einige Minuten später ein SV Großrudestedt-Atze berufen fühlte mit seiner Fahne und Rauchfackel Richtung Empor-Block zu spazieren und von mehreren eigenen Kickern beim Vollführen gehindert werden musste. Für sowas gibt’s in der Regel ja Ordner. Jeder Verein hat die zu stellen, beim Kreisverband Erfurt-Sömmerda reichen drei am Eingang, um Tickets zu kontrollieren. Vielleicht gabs aber auch ein Agrément mit dem EF-Mob, die demonstrativ zwischen beiden Lagern standen und durch ihre reine Anwesenheit sicher nicht nur bei mir Eindruck schindeten
Thüringen und seine Fußballfans – das ist einfach anders. Der Schlagende Fußballfan wurde übrigens identifiziert und hat nun eine Anzeige wegen Körperverletzung am Hals. Herzlichen Glückwunsch!
#Flo














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